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Alt 16.02.2008, 08:44
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Eva64 Eva64 ist offline weiblich
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Dieser Bericht stammt aus dem Kirchenbuch Schwieberdingen.

1695 den 20. Februar hat Jerg Mütschelin, edelmännischer Unterthan allhier, Witwer, mit Margaretha, Hanß Kunbergers, gewesenen Weingärtners allhier hinterbliebenen Tochter, so seiner verstorbenen Hausfrauen Mutterhalbs leibliche Schwester, in dem abscheulichen Laster der Blutschande ein Töchterlein erzeugt, welches Sie (wohl erschröckliche That) nach der Geburt mit Riemen oder Hosenbändeln erwürgt in einem Keller unter einen Haufen großer Steinen verborgen, bis endlich nach vielem Vernehmen, Verleugnung und gütlicher Bekenntnis, solches ist gefunden worden. Sie die Margaretha ist die 24. Mai zu Gröningen (Markgr.) in der Amtsstadt wegen solches abscheulichen Laster des Kindsmordes öffentlich durch das Schwert gerichtet, Jerg Mütschelin aber, welcher diese Mordstat nicht wollte bekennen, ungeachtet er durch den Henker 3 mahlen torquirt, die 19. Juni mit Ruthen ausgefleugt und des Landes verwiesen worden. Der Herr im Himmel behüte seine Gemeinde vor dergleichen ümmerforten und lasse Ihm dieselbe in alten Gnaden befohlen seyn!

Man stelle sich vor, die beiden werden wegen Blutschande belangt, obwohl sie ja gar nicht Blutsverwandt sind. Gut, der Kindsmord bleibt, aber hätte der stattgefunden, wenn sie nicht - nach damaligen Maßstäben - nah verwandt gewesen wären?

Grüßle
Eva
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