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Alt 17.10.2019, 15:04
Scherfer Scherfer ist offline
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Hallo Danih,

ich habe bei drei verschiedenen Anbietern getestet, MyHeritage, Ancestry und FamilyTreeDNA. Zu anderen Anbietern wie 23andMe kann ich nichts sagen. Ich denke, dass es bei allen Pros und Kontras gibt.

Da meine Vorfahren allesamt aus Europa stammen (zumindest ist es so über die letzten ca. 8 Generationen belegt), hatte ich angenommen, bei MyHeritage mit seiner stärker europäisch ausgerichteten Nutzerbasis auch die meisten DNA-Übereinstimmungen zu finden. Das war aber nicht der Fall, bei Ancestry bekomme ich mehr (auch über die Stammbäume belegbare) Matches als bei den anderen Anbietern. Ich denke aber, dass das durchaus schlüssig ist, obwohl ich das im Vorfeld falsch interpretiert hatte. Die Nutzer der Ancestry-DNA Tests sind stark auf die englischsprachigen Länder konzentriert und stellen gleichzeitig die meisten Nutzer von genealogischen DNA-Tests weltweit dar. In meinem Fall stammt meine väterliche Vorfahrenlinie aus Mittelpolen. Durch den Gang der Geschichte sind von dort nicht erst nach dem 2. Weltkrieg, sondern auch schon davor, einige Seitenlinien über den Atlantik ausgewandert. Die Nachfahren eben dieser Auswanderer in den USA und Kanada sehe ich heute als die häufigsten DNA-Übereinstimmungen mit meinem Test. - Gut möglich, dass es auch bei Dir einige Auswanderer aus Seitenlinien dorthin verschlagen hat.

Ich möchte allerdings auch nicht verschweigen, dass ich bei Ancestry einen klaren Nachteil sehe: Ancestry bietet keinen Chromosom-Browser, also die Möglichkeit, das übereinstimmende DNA-Segment graphisch einem bestimmten Chromosom zuzuordnen. Gerade das kann aber sehr hilfreich sein, wenn man weitere DNA-Übereinstimmungen so leicht einer bestimmten Vorfahrenlinie zuordnen kann. Programm wie DNA Painter gehen dieser Frage konsequent weiter nach mit dem Ziel, die gesamte DNA mit bestimmten Vorfahrenlinien zu markieren. Sowohl MyHeritage als auch FamilyTreeDNA haben einen Chromosom-Browser, aber auch Ancestry-Nutzer können indirekt diese Information über einen nachträglichen Upload auf der Seite von Gedmatch erhalten.

Das bringt mich zu einem weiteren wichtigen Thema: Den DNA-Test-Upload bei weiteren Anbietern. Da alle Testanbieter eine unterschiedliche Nutzerbasis haben, bekommt man insgesamt die meisten Übereinstimmungen, wenn man Testergebnisse bei möglichst vielen von ihnen vorliegen hat. MyHeritage und FamilyTreeDNA bieten die Möglichkeit, DNA-Testergebnisse anderer Anbieter (auch von Ancestry) kostenlos hochzuladen. Ancestry umgekehrt bietet nicht diese Möglichkeit, Ergebnisse anderer Plattformen hochzuladen. Aus Kostengründen könnte man also nun dafür plädieren, zunächst bei Ancestry zu testen und diese Ergebnisse dann auch bei den anderen Plattformen kostenlos zu nutzen. Es spricht aber auch etwas dagegen:
FamilyTree DNA und MyHeritage nutzen denselben DNA chip, das heißt auch die Ergebnisse sind i.d.R. identisch. Unterschiedlich ist dagegen die Nutzerbasis, daher bekommt man auf beiden Plattformen mit demselben Testergebnis unterschiedliche Übereinstimmungen. Ancestry dagegen teste andere DNA-Regionen und auf einem anderen Chip. Dennoch gibt es Möglichkeiten, die Testergebnisse mit denen anderer DNA-Testanbieter durch eine Art Extrapolation zu vergleichen. Diese Extrapolation scheint aber nicht fehlerfrei zu funktionieren, besser ist es, den Test direkt bei Ancestry zu machen.

Daher wäre meine Strategie heute, bei zwei der drei genannten Anbieter zu testen, einer davon Ancestry, der andere entweder FamilyTreeDNA oder MyHeritage.

So weit meine Gedanken zu Deiner Frage.

Geändert von Scherfer (17.10.2019 um 15:06 Uhr)
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