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Alt 14.04.2021, 07:57
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Schlumpf Schlumpf ist offline
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Hallo

Nun, ich finde die Anfrage recht interessant. Das mag man mir verzeihen. Offensichlich
handelt es sich hier um ein luthierisches Ehepaar. Dazu sind so einige Anmerkungen zu
machen:
Nach dem Verständnis Luthers war jedes Verlöbnis, auch ein heimliches eine Ehe. Die
kirchliche Segnung wurde beibehalten, aber nicht als ehebegründet angesehen. Eine Trauung
wurde nicht zwingend in der Kirche vollzogen. Es wurden sehr häufig Trauungen im Privat-
haus vollzogen (was ab 1691 5 Rthlr an Gebühren kostete). Bis 1826 waren Trauungen in
einem ordentlichen Wirtshause zulässig.
Es galt im 18. Jahrhundert aber auch einige Regeln einzuhalten. Dazu gehörte in jedem Fall
das Einverständnis der Brauteltern usw.
Mir ist ein Fall bekannt, das 1778 ein Pastor ein Ehepaar morgens um 3 Uhr in einem Wirts-
haus traute. Das zog den Prozess bei der Landessynode nach sich, weil die Familie der
Braut mit der Trauung nicht einverstanden war und einen Prozess anstrengte. Der Grund
für die Verurteilung des Pastors war weder die Uhrzeit noch der Ort der Trauung! Er wurde
zu einer nicht unerheblichen Strafe verurteilt, da das Brautpaar nicht vorschriftsmäßig
von der Kanzel verkündigt (proclamiert) wurde.

@ Huber Benedict: Castra Batava, interessant, da habe auch in nachsehen müssen. Aber
da habe ich auch eine harte Nuss: Ich komme aus "Wuperano". :-)
@ Horst von Linie 1: Die hier angegebenen Vorgänge beziehen sich auf die Grafschaft Mark.
Die märkische Synode beschloss die Gebühren 1691 in Unna, § 166, und der Prozess lief
u.A. vor dem Inspektor der märkischen Synode in Unna namens E. von Steinen.

Viel Spaß damit, ich muss nun zur Arbeit
Schlumpf
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Uns ist in alten mæren wunders vil geseit. von helden lobebæren, von grôzer arebeit,. von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,.
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