Zurück   Ahnenforschung.Net Forum > Allgemeine Diskussionsforen > Namenkunde
Hier klicken, falls Sie Ihr Kennwort vergessen haben.

Hinweise

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen Ansicht
  #11  
Alt 29.05.2021, 11:20
Weltatlas Weltatlas ist offline männlich
Benutzer
Themenstarter
 
Registriert seit: 27.08.2020
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 88
Standard

Hallo zusammen,

zum PN Gottgeb bzw. Gotgab habe ich aus dem Jahre 1559 etwas gefunden: die lateinische Variante war Deusdedit und schon damals alt!

https://www.digitale-sammlungen.de/e...=279,&q=Gotgab

Ich will ja nicht krampfhaft an einer Monogenese des FN festhalten, allerdings erschließt sich mir nicht, dass "Gottgab" und "Gottgeb" zwei Namen sein müssen, wenn wir es mitunter mit Dialektgrenzen und einer noch nicht etablierten Rechtschreibung zu tun haben.

Nachtrag:
Hier noch aus einem Lehrbuch der hebräischen Sprache aus dem Jahre 1855 über die Bedeutung des PN Gottgab: "den Gott gegeben" bzw. "von Gott gegeben". Hier bezieht sich der Name nicht auf einen frommen Wunsch für das Kind, sondern auf das Kind selbst als eine Gabe Gottes.
https://www.digitale-sammlungen.de/e...608,&q=Gottgab


Viele Grüße
Konstantin

Geändert von Weltatlas (29.05.2021 um 11:48 Uhr) Grund: Inhaltliche Ergänzung
Mit Zitat antworten
  #12  
Alt 29.05.2021, 11:50
Xylander Xylander ist gerade online männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.10.2009
Beiträge: 4.873
Standard

Hallo Konstantin,
schöner Fund. Den PN Gottgab = deus dedit = Gott hat gegeben hatten wir auch schon in einem meiner früheren Links. Aber Gottgeb = Gott möge geben ist etymologisch und in der Bedeutung nun mal ein anderer Name. Was genau verstehst Du daran nicht? Dass für ein und dieselbe Person beide Varianten verwendet werden, ist kein Gegenbeweis.
Generell zu Deiner Geschichte: sie ist denkbar, müsste aber bewiesen werden. Das heißt, jetzt sollte es in Angermund und Helfeldt hoffentlich doch noch weitergehen
Viele Grüße
Peter
In Deinem Nachtrag sagst Du es ja selbst. Im Namen Gottgab drücken die Eltern ihren Dank aus. Im Namen Gottgeb ihren Wunsch: Gott gebe diesem Kind ein langes und glückliches Leben.

Geändert von Xylander (29.05.2021 um 12:09 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #13  
Alt 29.05.2021, 12:53
Kasstor Kasstor ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 09.11.2009
Ort: bei Hamburg
Beiträge: 11.616
Standard

Zur Auflockerung: https://www.youtube.com/watch?v=RJKsp9_L24Q

Grüße

Thomas
__________________
FN Pein (Quickborn vor 1830), FN Hinsch (Poppenbüttel, Schenefeld), FN Holle (Hamburg, Lüchow?), FN Ludwig/Niesel (Frankenstein/Habelschwerdt) FN Tönnies (Meelva bei Karuse-Estland, später Hamburg), FN Lindloff (Altona, Lüneburg, Suderburg)
Mit Zitat antworten
  #14  
Alt 29.05.2021, 13:05
Xylander Xylander ist gerade online männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.10.2009
Beiträge: 4.873
Standard

Danke Thomas
Viele Grüße
Peter
Mit Zitat antworten
  #15  
Alt 29.05.2021, 15:23
Weltatlas Weltatlas ist offline männlich
Benutzer
Themenstarter
 
Registriert seit: 27.08.2020
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 88
Standard

Hallo Peter,

Zitat:
Zitat von Xylander Beitrag anzeigen
Den PN Gottgab = deus dedit = Gott hat gegeben hatten wir auch schon in einem meiner früheren Links. Aber Gottgeb = Gott möge geben ist etymologisch und in der Bedeutung nun mal ein anderer Name. Was genau verstehst Du daran nicht? Dass für ein und dieselbe Person beide Varianten verwendet werden, ist kein Gegenbeweis.
Da hast du sicherlich Recht, aber ich glaube nicht, dass die methodische Strenge und Stringenz, die du anlegst, der damaligen Sprachpraxis und der sozialen Praxis hinter der Entstehung der FN gerecht werden kann. Oder anders ausgedrückt: der Gegenstand (FN Gottgeb/Gottgab) wird nicht in einer so stringenten Weise entstanden sein, wie du es durch deine Herangehensweise unterstellst. Deswegen würde ich im Zusammenhang mit solchen Fragestellungen auch nie von Beweisen reden, sondern nur von Belegstellen.

Nicht falsch verstehen, ich mag deine Herangehensweise und schätze den Gehirnschmalz, den du da reinsteckst durchaus. Ich glaube, wir haben da nur etwas anders gelagerte Interessen. Meines eher genealogisch-historisch, deines würde ich eher als philologisch-etymologisch bezeichnen. Kommt das hin? Insofern bin ich im Forum "Namensforschung" tatsächlich ein bisschen off-topic.

Die Gesamtgeschichte, die ich präsentiert hatte, war praktisch meine Arbeitshypothese, von der ich mein weiteres Vorgehen ableiten würde: schauen, ob die Gottgabs in Voralberg und Gottgebs im Elsass verwandt sind; wenn das der Fall ist, schauen, ob die Voralberger mit dem Bergbau im Walgau zu tun hatten. Von da aus hätte man dann weiter nach ursprünglichen Bedeutung schauen können und dann auch Sprachgeschichte, Dialekte usw. berücksichtigen können. Achja, und natürlich schauen, ob meine Gottgebs aus Angermund mit den Elsässern verwandt sind, indem ich zufällig "Helfeldt" finde .

Viele Grüße
Konstantin
Mit Zitat antworten
  #16  
Alt 29.05.2021, 17:06
Xylander Xylander ist gerade online männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.10.2009
Beiträge: 4.873
Standard

Hallo Konstantin,
Du hast Recht, Onomastik und Dialektologie gehören zu meinen Lieblingsfächern. Aber gerade deswegen weiß ich, wie Namen (und Begriffe) je nach Sprecher/Schreiber, Sprachebene, Region und Epoche variieren, changieren, mutieren und im Verständnis der Nutzer verschwimmen, umgedeutet werden.

Hier aber haben wir die weit verbreitete, jedem geläufige Standardformel "Gott geb(e)...". Wenn also jemand sein Kind Gottgeb taufen lässt, und nicht Gottgab, dann ist ihm die Bedeutung bewusst.

Grammatisch ausgedrückt:
Gottgab: 3. Person Singular Indikativ Imperfekt Aktiv (Gott gab dieses Kind)
Gottgeb: 3. Person Singular Konjunktiv/Optativ Präsens Aktiv (Gott gebe diesem Kind)

Es sind in der Entstehung zwei verschiedene Namen und nicht Varianten desselben Namens! Dass der Henni Gottgab schon 1407 auf dem Kongress zu Hans Gottgeb umgeschrieben wird, wenn die Transkription stimmt, wundert mich nicht. Und es würde mich auch nicht wundern, sondern begeistern, wenn die Vorarlberger Gottgab nach rund 400 Jahren als Gottgeb am Niederrhein angekommen wären.

Deine Verknüpfungen sind durchaus plausibel, und ich liebäugele ja selbst mit diesem Wanderweg wie aus dem Lehrbuch, bin aber gerade deswegen vorsichtig. Attraktive Arbeitshypothesen haben es so an sich, sich in den Vordergrund zu schieben. Das unterstelle ich Dir nicht, aber es ist sicher richtig, den Faden in Angermund aufzunehmen.

Die onomastische Arbeit ist wohl weitgehend getan. Ich sehe sie nicht getrennt von der Genealogie, und ohne sie hätten wir die Vorarlberger nicht so schnell entdeckt. Was ich noch fand, ist ein Parallelbeispiel zu Gottgeb, nämlich Helfgott https://de.wikipedia.org/wiki/Helfgott In diesem Sinne

Viele Grüße
Peter

Geändert von Xylander (29.05.2021 um 18:35 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #17  
Alt 29.05.2021, 23:45
Xylander Xylander ist gerade online männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.10.2009
Beiträge: 4.873
Standard

Hallo zusammen,
eigentlich auf der Suche nach frühen Gottgab oder Gottgeb in Straßburg fand ich ein Brüchtenverzeichnis der Stadt Melsungen/Hessen von 1438 mit den Einträgen
(5.) Item Curd Godgab 30 s
(38.) Item Curd Gotgab 5771 gab 1 phunt zcu bruchen
http://docplayer.org/66695839-G-exku...vergleich.html
Wenn es sich nicht um einen Angehörigen der Vorarlberger Familie Gottgab handelt, müssen wir also doch mit mehrfacher, unabhängiger Entstehung des FN rechnen.
Viele Grüße
Peter
Hier wird von Kirsten Hoffrichter der Melsunger Godgab zusammen mit dem Freiburger Gottgaber erwähnt, im onomastischen Zusammenhang (Echonamen), nicht im genealogischen. Dabei wird der Melsunger Name nicht als Echoname klassifiziert, sondern als Übersetzung von Deus dedit - das kennen wir ja.
https://www.google.com/search?q=Godg....0.lvZSGNy1Bwc
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover

Wie der Freiburger bei Hoffrichter auf die Liste der Echonamen (nach charakteristischen Aussprüchen der ersten Namensträger) geraten, zusammen z.B. mit dem Echonamen Gotterbarm, gibt das Snippet nicht her. Bei Gottschald werden weder der Melsunger noch der Freiburger in dieser Rubrik geführt
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover S121 unten

Wir hatten ja anfangs den Sprücheklopfer, davon bin ich eigentlich abgekommen. Patronyme auf Basis der PN Gottgab bzw. Gottgeb halte ich mittlerweile für wahrscheinlicher

Geändert von Xylander (30.05.2021 um 02:20 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #18  
Alt 30.05.2021, 01:47
Xylander Xylander ist gerade online männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.10.2009
Beiträge: 4.873
Standard

Hallo zusammen,
hier finden sich um 1550 für den Konstanzer Jacob G. die Schreibweisen Gottgab, Gottgeb und Gottgäb
https://www.piccard-online.de/bilder...tungen/003.pdf. Ein Beispiel für die Varianz im Lauf der Namengeschichte, nicht für die Gleichheit in der ursprünglichen Bedeutung von Gottgab einerseits und Gottgeb/Gottgäb andererseits.
Hier ab 1478 der Großkaufmann Wilhelm Gotgaff beim Kölner Rheinzoll
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover
Heinrich Gotgaff in Koblenz
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover
Erdoniß Gotgaff Koblenz 1521
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover
Heyntze Gotgaff Koblenz 1441
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover
Henricus Godgaff 1443 in Koblenz
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover
Adam Gotgaff 1523-30 in Köln
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover
Koblenzer Gottgaff Anfang 16. Jhdt.
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover
Hier nochmal der Johann Gottgab beim Katzenelnbogener Rheinzoll 1479
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover

Mein Fazit: zumindest in Melsungen und in Koblenz existierte der FN Gottgab (in regionalen Schreibweisen) unabhängig von den Gottgab aus Vorarlberg und Konstanz. Ob es eine genealogische Gottgab/Gottgeb-Rheinschiene (Straßburg-)Koblenz-Angermund gibt, müsste im anderen Thread erforscht werden. Ich glaube im Moment nicht, dass sich die Arbeitshypothese einer Monogenese aus Vorarlberg halten lässt. Zahlreiche Funde in Belgien habe ich nicht verlinkt.

Viele Grüße
Peter

Geändert von Xylander (30.05.2021 um 08:31 Uhr) Grund: Koblenz statt Konstanz?
Mit Zitat antworten
  #19  
Alt 30.05.2021, 10:19
Weltatlas Weltatlas ist offline männlich
Benutzer
Themenstarter
 
Registriert seit: 27.08.2020
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 88
Standard

Hallo Peter, hallo zusammen,

ja, die Monogenese lässt sich nun wahrscheinlich wirklich nicht mehr halten. Irgendwie ein bisschen schade. Es hatte mich aber sowieso gewundet (trotz meines Eintretens für eine Monogenese), dass der FN nur einmal entstanden sein soll, wenn er als PN einmal sehr beliebt gewesen sein soll. Aber, wie in einer oben zitierten Quelle aus der Mitte des 16. Jh. hervorgeht, war der Name damals schon nicht mehr modern.

Interessant, wie sich immer mehr eine mögliche (kaufmännische) Rheinschiene auftut bzw. die Voralberger ein ganz anderes Licht auf die Sache geworfen haben.

Viele Grüße
Konstantin
Mit Zitat antworten
  #20  
Alt 30.05.2021, 13:51
Xylander Xylander ist gerade online männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.10.2009
Beiträge: 4.873
Standard

Hallo Konstantin,
ja, ich finds auch ein bisschen schade um die schöne Geschichte. Dafür sind jetzt aber die Chancen gewachsen, dass die Suche zum Erfolg führt. Auf Überraschungen müssen wir immer gefasst sein.
Viele Grüße
Peter
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Stichworte
angermund , gottgeb

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu

Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 02:05 Uhr.