#1  
Alt 31.07.2018, 11:42
Sandby Sandby ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 21.03.2018
Beiträge: 49
Standard Vorname Johann

Hallo,

Beim Durcharbeiten verschiedener Unterlagen zu meinen Vorfahren fiel mir auf, dass zwischen ca 1600 und 1800 geborene männliche Personen häufig Johann als ersten von 2 Vornamen (Johann + Vorname Nachname), und zwar quer durch alle Familien und in verschiedenen Ortschaften (Main-Tauber in BW, Main-Spessart in BY).

Unter meinen Vorfahren hatte z.B. ein Johann Georg drei Söhne: Joh. Simon, Joh. Thomas u. Johann Jacob. Dessen Sohn war Johann Stephan. In einer anderen Familie in diesem Ort gab es um 1700 5 Brüder mit jeweils Johann + xxx + Nachname.

Es gab als doppelte Vornamen nur die Version mit Johann. Die anderen Personen hatte einfache Vornamen.

Es kann sich also nicht um eine Familientradition handeln. Auch die Theorie des Namens des Taufpaten kenn ich nur in der Form, dass der Name des Paten an zweiter Stelle steht.

Wer weiss dazu Näheres? Ist das in anderen Regionen ähnlich? Auch mit Johann oder mit einem anderen Namen?

Schöne Grüsse
Sandby
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 31.07.2018, 11:55
Benutzerbild von SafeHaven
SafeHaven SafeHaven ist offline weiblich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 21.11.2014
Ort: Nürnberg
Beiträge: 364
Standard

Hallo Sandby,


bei mir in Bayern und Posen gibt es spätestens alle zwei Generationen den Namen Johann oder bei den Frauen Anna. Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass die beiden Namen biblisch sind und wenn man sein Kind so taufen lies, dann wurden einem die Gebühren erlassen, bzw. reduziert. Inwieweit das stimmt, weiß ich nicht, finde auch leider den Artikel nicht mehr. Vielleicht war es auch nur, weil es einen Bezug zur Bibel hatte und die Menschen damals noch religiöser waren


Das war nun mein Senf dazu


Liebe Grüße
Jana
__________________
Auf der Suche nach Spuren der Familie..

Hertzke/Herzke von überall
Fuchs und Behringer im 18. Jhd. aus Großhabersdorf und Umgebung
Avdic und Seremet aus Sarajevo und Visegrad
Kilimann, Sadlowski, Tietz und Bialowons aus dem Kreis Ortelsburg

Familie-Hertzke.de

Geändert von SafeHaven (01.08.2018 um 13:50 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 31.07.2018, 12:03
Benutzerbild von Mr. Black
Mr. Black Mr. Black ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 12.08.2009
Ort: Königreich Preußen
Beiträge: 405
Standard

Hallo Sandby,

in meinem Fachgebiet (ebenfalls Provinz Posen) waren Johanna und Johann die absoluten Standardnamen als erste Vornamen. Nach meinem persönlichen Empfinden entwickelte sich dies - vielleicht ab 1780 herum - und intensivierte sich die nächsten 100 Jahre mehr und mehr.

Daß jedoch in dem Kontext Gebühren erlassen wurden, habe ich bisher noch nicht gehört und weiß aus einer Chronik - verfaßt von einem Pfarrer - daß die Gebühren mehr als heilig waren - zumindest in Posen.

Alles Gute,

Marcus
__________________
Just a drop of water in an endless sea. All we are is dust in the wind.
http://ahnensuche.wordpress.com/
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 31.07.2018, 12:27
Sandby Sandby ist offline
Benutzer
Themenstarter
 
Registriert seit: 21.03.2018
Beiträge: 49
Standard Johann ... und Anna

Hallo zusammen,

Danke für eure Theorien.

Gerade habe ich nochmal genauer geschaut: z.B. hatten die 5 Brüder Johann xxx 3 Schwestern mit jeweils Anna xxx als Vornamen. Und auch Maria xxx kommt in der Zeit häufig vor.

Eine Vorliebe für Doppelnamen kann es ja auch nicht sein, weil es eben nur diese (mittlerweile 3) Namen sind. Es gibt ja z.B. keinen Jakob xxx oder Michael xxx (als alternative Heiligennamen) oder gar Dieter Thomas ö.ä.

Schönen Nachmittag
Sandby
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 31.07.2018, 12:44
Benutzerbild von Mr. Black
Mr. Black Mr. Black ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 12.08.2009
Ort: Königreich Preußen
Beiträge: 405
Standard

Nur ein Vorname kommt in meinem Bestand eher selten vor. Zwei, drei oder mehr Vornamen waren normal. Ich kann freilich keinen expliziten Wert nennen, aber ich schätze mal, zu 70% waren Johanna und Johann das Maß der Dinge.

Das Beispiel einer Familie Buchwald, ab 1795:

Johann Gottlieb
Johann George
Johann Christian
Johanna Dorothea
Johann Traugott
Johann Gottfried

Wobei aus Johanna dann sehr oft Anna wurde. In meinen anderen Interessengebieten, wie beispielsweise Westpreußen und Pommern war dies nicht so - allerdings habe ich die nicht derart intensiv erforscht.

Alles Gute,

Marcus
__________________
Just a drop of water in an endless sea. All we are is dust in the wind.
http://ahnensuche.wordpress.com/

Geändert von Mr. Black (31.07.2018 um 12:45 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 31.07.2018, 21:28
Benutzerbild von zeilenweise
zeilenweise zeilenweise ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 10.07.2018
Ort: Kiel
Beiträge: 322
Standard

Meine Vorfahren kommen auch aus der Maingegend, und der Name Johann ist ebenfalls sehr häufig - wobei ich den Stammbaum nicht genug erforscht habe, um festzustellen, ob in einer Reihe von Brüdern alle den Namen Johann erhielten.
Ich wollte nur noch darauf hinweisen, dass der Name ja Bezug nimmt auf Johannes den Täufer, insofern als Name bei einer Taufe wohl besonders bedeutend war.
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 01.08.2018, 01:35
Benutzerbild von Araminta
Araminta Araminta ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 12.11.2016
Beiträge: 336
Standard

Der Name Johann kommt bei mir natürlich auch sehr häufig vor. Besonders natürlich bei den Katholischen bis heute!

Aber bei meiner evangelischen, mittelfränkischen Familie Frieß aus Beerbach, über die ich leider selbst noch wenig weiß, war es ähnlich wie bei dir Sandby. Es gab 8 Jungen, die alle Johann hießen, also Johann Mathias, Johann Georg Friedrich, Johann Georg Karl, Johann Kaspar, Johann Mathias Friedrich, Johann Konrad, Johann Karl und Johann Georg.
Es gab noch weitere Jungen, die den Namen dann nicht bekamen.

Der Rufname war bei allen wohl aber der 2. Name. Es war auch nur ein Mädchen angeführt, die allerdings nach einer Woche starb und deren Namen lautet NICHT Johann Karoline.

Ich fand oder finde das auch sehr interessant.

@zeilenweise darf ich fragen, weshalb es genau Johannes der Täufer ist?
Ich habe, z.B. auch Johann Baptist in der Familie und bin da immer vom "Täufer" ausgegangen. Sonst gibt es zig Johannes als Namenspatron.
Vielen Dank

Geändert von Araminta (01.08.2018 um 01:38 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 01.08.2018, 08:17
Benutzerbild von Manu0379
Manu0379 Manu0379 ist offline weiblich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.02.2018
Ort: Berlin
Beiträge: 332
Standard

In der Regel wurden doch die Söhne nach dem Vater benannt, der nach seinem Vater usw. und wenn die Namensreihe mit einem Johann beginnt ist der erstgeborene Johann xxx (häufig Namen der Paten) und die weiteren Söhne haben den Johann dann an zweiter/dritter Stelle. So zumindest meine Beobachtung im Stammbaum.

Und auch ich habe eine Reihe von Johanns, Annas, Marias/Maries in dem Zeitraum. Es sind alles Evangelen
__________________
Regionen und Namen meiner Sackgassen:
(Neu) Karstädt, Groß Laasch und Umgebung: Möller, Gäth, Laudan, Lüth, Rohk, Dien, Ihde, Schell, Giese, Dreyer, Madaus, Hinrichs, Suhr, Tägeln, Hamann, Mellmann
Region Suckow, Prignitz: Schütt, Krutzki, Lenth, Kop(p)low, Berger, Madaus, Giestemann,
Hamburg, S-H: Osterhof, Bauer, Scheele, Kohlmeyer, Eggers, Warge, Brandenburg, Mensen
Niedersachsen: Fehmer
Rawitsch: Schmidt, Kwittua, Poranske/-ska/-ski, Eitner, Fran(c)ke, Bergmann
Mit Zitat antworten
  #9  
Alt 01.08.2018, 08:49
Sandby Sandby ist offline
Benutzer
Themenstarter
 
Registriert seit: 21.03.2018
Beiträge: 49
Standard

Hallo Manu0379,

Die Namensweitergabe mag ja für Einzelfälle stimmen. Auffällig bliebe dann aber immer noch, dass - zumindest bei mir - nur der Name Johann weitergegeben wurde. Ausserdem gäbe es bei einer Namensweitergabe dann wohl immer nur einen Johann junior unter mehreren Geschwistern einer Familie.
Mit Zitat antworten
  #10  
Alt 01.08.2018, 08:50
mabelle mabelle ist offline weiblich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 09.10.2017
Ort: München
Beiträge: 268
Standard

Zitat:
Zitat von Sandby Beitrag anzeigen
Hallo,

Beim Durcharbeiten verschiedener Unterlagen zu meinen Vorfahren fiel mir auf, dass zwischen ca 1600 und 1800 geborene männliche Personen häufig Johann als ersten von 2 Vornamen (Johann + Vorname Nachname), und zwar quer durch alle Familien und in verschiedenen Ortschaften (Main-Tauber in BW, Main-Spessart in BY).

Unter meinen Vorfahren hatte z.B. ein Johann Georg drei Söhne: Joh. Simon, Joh. Thomas u. Johann Jacob. Dessen Sohn war Johann Stephan. In einer anderen Familie in diesem Ort gab es um 1700 5 Brüder mit jeweils Johann + xxx + Nachname.

Es gab als doppelte Vornamen nur die Version mit Johann. Die anderen Personen hatte einfache Vornamen.

Es kann sich also nicht um eine Familientradition handeln. Auch die Theorie des Namens des Taufpaten kenn ich nur in der Form, dass der Name des Paten an zweiter Stelle steht.

Wer weiss dazu Näheres? Ist das in anderen Regionen ähnlich? Auch mit Johann oder mit einem anderen Namen?

Schöne Grüsse
Sandby
Hallo,

bei mir hießen die Männer so ab 1580 alle entweder Johann oder Georg und hatten meist zwei Vornamen. Die ganz frühen Vorfahren kamen aus Mittelfranken, einer wanderte in die Oberpfalz ab. Die Familie war katholisch. Einer der Vornamen ist in den meisten Fällen der Vorname des Taufpaten, bei meinen Vorfahren ist das nicht klar zu bestimmen; ich habe allerdings den Eindruck dass der erste Vorname vom Taufpaten kam. Es ist nicht eindeutig, welcher der beiden Namen dann zum Rufnamen des Täuflings wurde. Ich vermute, dass man da pragmatisch vorging, damit nicht zwei Buben in der engsten Familie Johannes hießen. Ich habe außerdem festgestellt, dass es oft für mehrere Kinder einer Familie den gleichen Taufpaten gab, und mein Eindruck ist, dass das recht wohlhabende Bauern oder Handwerker mit Bürgerstatus waren. Bei den Mädchen waren es oft selbständige Bauersfrauen mit eigenem Land, die als Taufpaten fungierten. Allerdings muss ich gestehen, dass ich die Taufpaten nicht immer entziffern konnte, zumal in meiner Anfangszeit des Lesens von Kirchenbüchern habe ich da recht oft kapituliert und die Bedeutung der Information nicht richtig eingeschätzt.

Die Namensreihe sieht bei den Bezolds (die unmittelbaren männlichen Ahnen) wie folgt aus:

Hannß, ca. 1580, der Stammvater bislang, Mittelfranken
Hannß, 1610, Mittelfranken
Georg, 1649, Mittelfranken
Johann, 1703, Mittelfranken
Johann Kaspar, 1737, und alle folgenden Tirschenreuth, Oberpfalz
Johann Bernhard, 1774
Paul Gregor, 1812
Johann Bernhard, 1844
Josef Anton, 1874

Bei den Geschwistern gibt es in jeder Generation mehrere Johanns und Georgs, vielleicht war das einfach ein sehr häufiger Name, weil er immer wieder durch die Taufpaten weitergegeben wurde.

Diese Mädchennamen kommen sehr häufig vor: Kunigunda, Maria, Anna, Katharina, Theresia. Aber auch da wurden meist zwei Vornamen ins Taufregister geschrieben, und auch hier kam einer davon meist von der Patin.

Soweit meine Erfahrungen zur "Namensgebung".

Liebe Grüße
mabelle
__________________
Axinger: Michelsneukirchen, Eibrunn
Bezold/Pezolt: Eckenhaid/Eckental, Eschenbach, Tirschenreuth, Lauterbach, Moosburg, Ebersberg, Halle-Saale, Duisburg, Hudson, New Jersey, USA
Brunner: Wondreb
Haselberger: Augsburg
Hecht/Höcht: Dobrigau
Hillner: Halle-Saale, Schlüchtern
Krömer: Bieskau, Schweidnitz (Schlesien)
Meißner: Lauterbach, Großkonreuth
Reisnecker: Großkonreuth
Rother: Königszelt, Költschen, Schweidnitz (Schlesien)

Geändert von mabelle (01.08.2018 um 09:02 Uhr) Grund: Formatierung
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Stichworte
johann

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu

Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 05:27 Uhr.