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  #1  
Alt 09.01.2020, 08:17
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Bienenkönigin Bienenkönigin ist offline weiblich
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Standard Verständnisfrage: Gründe für das Verschweigen der Vaterschaft?

Guten Morgen zusammen,

in einem Post neulich hat jemand gefragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein vor einer Heirat geborenes Kind von dem Mann ist, den die Mutter später geheiratet hat.

Die Antwort war, dass es auf einen relativ kurzen Abstand ankommt, und ob das Kind später den Nachnamen des "neuen" Vaters annimmt.

Meine Frage ist nun grundsätzlich:
Was kann eine Frau dazu bewogen haben, den Vater bei der Taufe zu verheimlichen?
Habt Ihr bei Euren Forschungen da Hinweise gefunden oder eigene Theorien? Kann es sein, dass der Vater Druck ausgeübt hat, um nicht genannt zu werden?
Kann es sein, dass die Mutter tatsächlich so einen unsteten Lebenswandel hatte, dass sie sich nicht sicher war über die Vaterschaft?
Kann es sein, dass die Konstellation sehr peinlich für alle war, z.B. Liebhaber sehr viel älter oder sehr viel jünger?
Oder eine Vergewaltigung?

In meinem Fall geht es um eine Geburt 1884 in Oberbayern (Saulgrub).
Der Lebenslauf meiner Ahnin sieht so aus:
1873, mit 21 Jahren, unehelicher Sohn mit bekanntem Vater (in Bayersoien); Sohn hat lebenslang Nachnamen der Mutter
1884, mit 32 Jahren, unehelicher Sohn mit nicht genanntem Vater (in Saulgrub, dem nächstgrößeren Ort, wo sie als Dienstmagd lebte); Sohn hat lebenslang Nachnamen der Mutter
* Heirat *
1889, mit 37 Jahren, Geburt eines ehelichen Sohns mit bekanntem Vater (in Saulgrub, wo sie mit ihrem Mann lebte - die Eheeintragung hab ich noch nicht gefunden); Sohn hat lebenslang Ehenamen der Eltern (also des Vaters)
* Scheidung *
* erneute Heirat *
(zu den beiden letzten hab ich noch keine Dokumente)
* irgendwann Tod in München

Was meint Ihr?
Wieso ist dieser eine Sohn (mein Urgroßvater) ohne benannten Vater geboren?
Danke für Eure Ideen!

Viele Grüße,
Bienenkönigin
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  #2  
Alt 09.01.2020, 08:32
Scherfer Scherfer ist offline
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Hallo Bienenkönigin,

ich denke, dass alle von Dir genannten Gründe potentiell möglich sind, dazu noch viele weitere:
- Der Kindsvater hat einen höheren Sozialstand und soll durch Verschweigen vor Schaden bewahrt werden (möglicherweise verbunden mit geheimen Unterhaltszahlungen).
- Der Kindsvater hat einen niedrigeren Sozialstand und es soll durch Verschweigen "Schande" von der eigenen Familie abgewunden werden.
- Der Kindsvater ist zwar bekannt, aber inzwischen verzogen und nicht mehr lokalisierbar.
- [...]

In Deinem speziellen Fall könnte man vermuten, dass die Mutter 1884 als Magd vielleicht von ihrem Dienstherren geschwängert wurde. Hätte sie den Vater öffentlich gemacht, hätte sie möglicherweise ihre Stelle und damit Finanzquelle verloren.
Ganz zeitlos, wie noch in der heutigen #Metoo-Debatte zu verfolgen, wurden zu allen Zeiten Machtpositionen ausgenutzt, um Frauen unter Druck zu setzen.

Eine Schwester eines meiner Ahnen beging nachweislich Selbstmord, als sie bemerkte, dass sie unverheiratet schwanger war...
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  #3  
Alt 09.01.2020, 09:08
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Bienenkönigin Bienenkönigin ist offline weiblich
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Hallo Scherfer,
Zitat:
Zitat von Scherfer Beitrag anzeigen
In Deinem speziellen Fall könnte man vermuten, dass die Mutter 1884 als Magd vielleicht von ihrem Dienstherren geschwängert wurde. Hätte sie den Vater öffentlich gemacht, hätte sie möglicherweise ihre Stelle und damit Finanzquelle verloren.
Ganz zeitlos, wie noch in der heutigen #Metoo-Debatte zu verfolgen, wurden zu allen Zeiten Machtpositionen ausgenutzt, um Frauen unter Druck zu setzen.
.
=>daran habe ich auch schon gedacht.

Noch mehr Hintergrundinfo zur Katharina Demmel:
Geburt 1 im Jahr 1973 (unehelich): Taufeintrag erfolgt "nach Mitteilung des Landgerichts Schongau". Kann man daraus schließen, dass der Vater sozusagen gezwungen wurde, sich zur Vaterschaft zu bekennen?
Er war Bauerssohn.

Geburt 2 im Jahr 1884: Interessant ist hier, dass sie beim "Söldner Joseph Schwarz" entbindet.
Und dieser (oder wahrscheinlicher der gleichnamige Sohn) ist auch der Vater des unehelichen Kindes ihrer Schwester Creszentia im Jahr 1874, hier auch wieder "auf Mitteilung des Landgerichts Schongau" (im Jahr zuvor hatte sie von einem anderen Mann ein uneheliches Kind bekommen)!
Joseph Schwarz ist außerdem Taufpate bei dieser Geburt, zusammen mit "seinem Eheweib Creszentia" - grrr, in dem Ort heißen so viele Josef und Creszentia - ich muss die Kirchenbücher ein drittes Mal durchforsten, vielleicht hat er ja später die Crezentia Demmel geheiratet und war dann Katharinas Schwager?
Dann hätte er gleich beide Schwestern geschwängert?! Abstoßend, könnte aber durchaus sein.
Die beiden Frauen waren Weberstöchter, also nicht aus einem renommierten Haushalt.

Geburt 3 im Jahr 1889 war dann ehelich, der Mann war Holzarbeiter bzw. in einem anderen Eintrag "Gehilfe", das entspricht also wieder ihrem Stand.


VG
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Geändert von Bienenkönigin (09.01.2020 um 09:10 Uhr)
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  #4  
Alt 09.01.2020, 09:09
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(sorry, doppelpost)
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  #5  
Alt 09.01.2020, 12:31
gki gki ist offline
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Hallo Bienenkönigin!

Zitat:
Zitat von Bienenkönigin Beitrag anzeigen
Noch mehr Hintergrundinfo zur Katharina Demmel:
Geburt 1 im Jahr 1973 (unehelich): Taufeintrag erfolgt "nach Mitteilung des Landgerichts Schongau". Kann man daraus schließen, dass der Vater sozusagen gezwungen wurde, sich zur Vaterschaft zu bekennen?
Er war Bauerssohn.
Ja, das kann sein, die Mutter wird ihn auf Alimente oder auch gebrochenes Eheversprechen verklagt haben und er wurde dann gerichtlich als Vater festgestellt und mußte zahlen.

Aus der Tatsache, daß so ein Eintrag bei der zweiten Geburt fehlt, könnte man schließen, daß ein solcher Prozeß da nicht notwendig war, da der Vater von selber zahlte.
__________________
Gruß
gki
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  #6  
Alt 09.01.2020, 14:31
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Vielen Dank an dieser Stelle an alle für die Aufzählung eurer interessanten Fälle!
Danke besonders an gki für den Hinweis mit dem Landgericht.
VG
Bienenkönigin

Zitat:
Zitat von gki Beitrag anzeigen
Hallo Bienenkönigin!
Ja, das kann sein, die Mutter wird ihn auf Alimente oder auch gebrochenes Eheversprechen verklagt haben und er wurde dann gerichtlich als Vater festgestellt und mußte zahlen.

Aus der Tatsache, daß so ein Eintrag bei der zweiten Geburt fehlt, könnte man schließen, daß ein solcher Prozeß da nicht notwendig war, da der Vater von selber zahlte.
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  #7  
Alt 09.01.2020, 10:58
hessischesteirerin hessischesteirerin ist offline
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Zitat:
Zitat von Scherfer Beitrag anzeigen

Eine Schwester eines meiner Ahnen beging nachweislich Selbstmord, als sie bemerkte, dass sie unverheiratet schwanger war...
W war eine Schande, wenn eine Frau unverheiratet Sex hatte. Wenn die Tochter schwanger wurde, zeigte man nicht nur mit dem Finger auf sie, sondern auf die ganze Familie.

Die Moral war damals eine ganz andere, schwanger ohne verheiratet gewesen zu sein, stell ich mir heute vergleichbar mit einen Schwerbrechen vor.

Warum man den Namen des Vaters nicht angibt, ist reine Spekulation. Da wird jede junge Frau einen anderen Grund gehabt haben.

Meine Oma hat den Namen des Vaters nicht angegeben, weil es ihr von ihrem Vater wiederum verboten wurde und 1925 hat man noch gemacht, was der Vater gesagt hat. Mein Opa hat dann das uneheliche Kind seinen Namen gegeben, damit alles seine Ordnung hat und der Bub offiziell zur Familie gehört
und das Uropa begeistert war, dass die Tochter schwanger ist, kann ich mir kaum vorstellen

Es war ein offenes Geheimnis, dass mein Onkel einen anderen Vater hatte, aber das Geheimnis hat meine Oma mit ins Grab genommen.
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  #8  
Alt 09.01.2020, 14:17
Benutzerbild von SafeHaven
SafeHaven SafeHaven ist offline weiblich
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Uneheliche Kinder.. Da kann ich ein Lied von singen Ein paar unterschiedliche Fälle wären folgende:


Fall 1
Kind wird unehelich geboren, wird vom Pfarrer in ein extra Kirchenbuch für uneheliche Taufen eingetragen, wo auch jede Mutter zum Vater befragt wurde und die Vermutung dazugeschrieben. Leider war der leibliche Vater in dem Fall vor dem Verfahren auf Unterhaltszahlungen etc. verstorben. Das Kind hatte lebenslang den Namen der Mutter. Es stand auch immer dabei, ob der Vater die Vaterschaft anerkennt oder nicht und ob er die Namenstragung erlaubt.



Fall 2
Meine Ururgroßmutter bekam 5 uneheliche lebend geborene Töchter. Meine Ahnin wurde im Heimatort geboren, 50km weg von der Arbeitsstätte der Mutter, dort hat der Pfarrer keinen Vater eingetragen. Es gibt sehr viele Zivilprozess- und Vaterschaftsunterlagen im Stadtarchiv aber es war SEHR deutlich, dass der Vater nicht genannt werden möchte, obwohl diese Akten geheim waren. Das Gericht beauftragte sogar Freunde und Verwandte von der Mutter herauszufinden, wer der Vater war, aber sie weigerte sich standhaft, denn "sonst würde er keine weiteren Alimente zahlen". (Was in meinen Augen Quatsch ist, denn, wenn das Gericht den Namen erst kennt, wird er erst recht dazu verdonnert.) In den Akten wird er immer durch einen Anwalt vertreten und es gibt keine weiteren Anzeichen. Er hat sich echt gut versteckt - ich tippe auf höher gestellte oder verheiratete Männer. Meine Ahnin hatte lebenslang den Namen der Mutter.


Fall 3

Ahnin bekommt ihr uneheliches Kind Nr. 1: Vater im KB angegeben und Kind trägt den Nachnamen des Vaters.
Ahnin bekommt ihr uneheliches Kind Nr. 2: Vater im KB angegeben und Kind trägt den Nachnamen des Vaters.
Ahnin kommt in eine Beziehung ca. 1820 (ohne Heirat) mit ihrem Lebenspartner und (uneheliche) Kinder Nr. 3 & Nr. 4 bekommen den Nachnamen des Lebenspartners. (Uneheleiches) Kind Nr. 5 hat als Vater den Lebenspartner angegeben, bekommt aber lebenslang offiziell den Nachnamen der Mutter, wird aber mit dem Nachnamen des Vaters gerufen. (Uneheliches) Kind Nr. 6 bekommt wieder den Nachnamen des Partners. Die Mutter stirbt auch unverheiratet mit ihrem Mädchennamen.



Fall 4

Kind wurde unehelich geboren, Vater wurde im KB nicht genannt, aber in der Vormundschafts-/Einkindschaftsakte. Dort gab es Namen, Stand und Vermögen. Die Akte wurde aufrecht erhalten, bis das Kind alt genug war. Obwohl bekannt, wurde das Kind weiter auf den Namen der Mutter genannt.


Usw.. Da gibt es unzählige Fälle und die Gründe für Eintragung ins KB bzw. die Weitergabe des Namens. Einige wurden hier schon genannt und ich tippe vor allem auf höher stehende Väter, bzw. deutlich niedriger, wenn die Mutter ihn geheim gehalten hat.


Viele Grüße
Jana
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  #9  
Alt 09.01.2020, 08:45
Ingenieur Ingenieur ist offline
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Meines Wissens nach, wurden die Väter von unehelichen, illegitimen, Kindern, nie eingetragen. Es sei denn der Vater bekannte sich ausdrücklich dazu, bestätigte dies durch Unterschrift und Zeugen beim Pfarrer oder das Kind wurde später durch Heirat der Eltern legitimiert. Ein einfaches angeben, eines Vaters, durch die Mutter war nicht möglich.
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  #10  
Alt 09.01.2020, 08:46
Scherfer Scherfer ist offline
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Ingenieur, dieser Aussage kann ich klar widersprechen. Ich habe bereits einige Taufeinträge gesehen, in denen sinngemäß stand: "Als Kindsvater gab die Mutter an: ..."
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