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  #11  
Alt 16.03.2020, 07:27
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Scherfer Scherfer ist offline
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Danke für all eure Einschätzungen!
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  #12  
Alt 03.04.2021, 14:52
Carolien Grahf Carolien Grahf ist offline weiblich
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Guten Abend,

hier kommt das nächste Rätsel aus meinem neu erstandenen Schatz: In der schwedischen Bibel meines Vorfahren in St. Petersburg finde ich auf zwei aufeinanderfolgenden Seiten eine handschriftliche Notiz. Die letzten vier Buchstaben ("morä" ?) finden sich auch noch auf einer anderen Seite.

Ich freue mich über jede Lese- oder Interpretationshilfe! Leider kann es sich von Schwedisch bis zu Russisch, von Einkaufszettel bis Geheimcode, um wirklich alles handeln...

Lass mich von vorne anfangen. Dein Vorfahre wurde im Jahre 1777 geboren. Eine Zeit in der man irgendwie zu Hause lesen und schreiben gelernt hat (oder auch nicht). Seit etwa 1650 versuchte man in weiten Teilen des Landes ein wenig Grundwissen zu vermitteln. Schulen gab es nur wenige bis keine und die Schulpflicht kam erst 1842, wobei es dann noch mehr als 20 Jahre dauerte, bis das Volk das akzeptiert hat. Aber das ist eine andere Geschichte.


Zurück zu dieser Bibel. Auf den ersten Blick ist es eine ganz gewöhnliche Lutherbibel. Ein Geschenk des Pfarrers, so wie jedes Kind und Erwachsener der lernen sollte, eine bekam. Selbstverständlich übersetzt in die Landessprache, nämlich schwedisch. Und natürlich in Altschwedisch. Niemand redet heute mehr so. Aber außer die Sprache gibt es noch einen anderen Unterschied zu den Lutherbibeln wie sie in Deutschland gebräuchlich waren.


Die Bilbeln wurden in Schweden übersetzt. In großen Teilen wörtlich, andere Teile wurden auf die Menschen Schwedens angepasst, manches komplett weggelassen und zwischendrin sind noch Glossen der Übersetzer.


Diese Bibeln waren nichts anderes als ein Lese- Lernbuch. Die Kinder wurden regelmäßig auf ihren Lernfortschritt getestet. Um bei der "Prüfung" nicht negativ aufzufallen, hat dieser Schüler Randbemerkugen gemacht. Genauso wie es viele deutsche Studenten in ihren Büchern auch tun. Eselsbrücken, Grundsatzverständnis, Stichworte...


Schüler war man von 7 bis man gestorben war. In den Husförhörslängden kann man sehen, welche "Noten" das Kind hatte. Nicht jedes Kind hatte Lust dazu und das musste man auch nicht. Den Katechismus, der musste gelernt werden. Auch dieses "Unterrichtsfach" ist im HFL mit der Benotung zu sehen.



Dein Vorfahr hat durchweg gute Noten in Lesen. Sehr gut im Begreifen. Diese Benotungen waren die Grundvoraussetzung, ob man auswandern durfte oder nicht. Analphabeten oder Menschen die nur schlecht verstehen oder begreifen, bekamen keine Ausreisegenehmigung.
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  #13  
Alt 03.04.2021, 15:07
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Scherfer Scherfer ist offline
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Hallo Carolien, danke für die interessante Erläuterung. Dass gute Noten im Lesen eine Voraussetzung zur Auswanderung waren, war mir nicht bewusst. Darauf werde ich in Zukunft achten.

Wenn ich Dich richtig verstehe, sind diese Wörter am Seitenrand also nur Schreibübungen, ohne jegliche Wortbedeutung?

O tempora, o morä!

Und nein, Johannes Dahlquists "Kinderbibel" war das nicht, er kaufte sie als Erwachsener in St. Petersburg und damit nach der Auswanderung. (Das weiß ich, weil die Bibel zwar in Stockholm gedruckt wurde, aber in einem Jahr nach seiner Auswanderung. Der Buchdeckel trägt auch kyrillische Zeichen des Handelshauses in St. Petersburg.) Aber seine Kinder lernten dann vermutlich mit dieser Bibel lesen und die Geheimschrift stammt vermutlich von ihnen. Vielleicht von meiner 3xUrgroßmutter - lustig!

Geändert von Scherfer (03.04.2021 um 15:16 Uhr)
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  #14  
Alt 03.04.2021, 15:27
Carolien Grahf Carolien Grahf ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von Scherfer Beitrag anzeigen
...
Und nein, Johannes Dahlquists "Kinderbibel" war das nicht, er kaufte sie als Erwachsener in St. Petersburg und damit nach der Auswanderung. (Das weiß ich, weil die Bibel zwar in Stockholm gedruckt wurde, aber in einem Jahr nach seiner Auswanderung. Der Buchdeckel trägt auch kyrillische Zeichen des Handelshauses in St. Petersburg.) Aber seine Kinder lernten dann vermutlich mit dieser Bibel lesen und die Geheimschrift stammt vermutlich von ihnen. Vielleicht von meiner 3xUrgroßmutter - lustig!

Ah.. ok. Das kann man dem Foto nicht ansehen. Wahrscheinlich hat er seine Bibel von zu Hause nach dem Konfirmatenunterricht nicht mehr benutzt, gebraucht oder weiter gegeben. Wie auch immer.


Das ist keine Geheimsprache. Er hat nur schlicht und ergreifend niemals "Schönschreiben" gelernt. Das ist Standard (für diese Zeit) Gammaldagssvensk. Worte, die man heute nicht mehr verwendet und da keine Referenz zu seiner Schrift zur Verfügung steht, nur extrem schwierig zu transkriptieren.



Wenn er die in St. Petersburg gekauft hat kommen auch "Notizen" in Betracht, die er für seine Kinder gemacht hat, oder Ehefrau (hier... zum Thema Ehre... bring das bitte unseren Kindern bei, bis ich von der Arbeit komme.. oder so)

Da ist jeder Anlass möglich. Man sollte da nichts rein interpretieren. Interne Randnotizen eines Vaters. Nicht mehr und nicht weniger.
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