#1  
Alt 23.01.2020, 13:46
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo zusammen!

Ich habe hier einen Sterbeeintrag:

Anno 1732
d. 8. Jan. Balthasar Heineke Fricken s(eligen) Hans
Fricken Ackermanns S(ohn) alt 23 Jahr(e)

Nachträglich wurde über den Vornamen des Verstorbenen "Curd Hennig" geschrieben. Wer ist nun gestorben: Balthasar Heinrich oder Curd Hennig Fricke? Auf jeden Fall errechnet sich ein Geburtsdatum um 1708 oder 1709.

Es gibt einen zweiten Sterbeeintrag:

Anno 1711
d. 2. Febr. Balthasar Heineke Fricke
Hans Fricken Ackermanns Söhnlein

Ich gehe davon aus, daß der Ackermann Hans Fricke (es gab nur einen im Dorf) nicht zwei seiner Söhne auf den gleichen Namen hat taufen lassen. Diese Möglichkeit würde ich nur dann in Betracht ziehen, wenn ein Sohn sehr jung verstorben ist und man sich daraufhin entschließt, den Namen anschließend erneut zu vergeben. Aber dieser Fall liegt hier offensichtlich nicht vor. Der 1732 verstorbene Sohn war zum Zeitpunkt des Todes des Bruders zwei oder drei Jahre alt. Die Brüder haben dem Anschein nach also eine Weile parallel gelebt. Somit ist der Name des 1732 verstorbenen Fricke wohl Curd Henning.

Die Geburten und Taufen finden wir für den betreffenden Ort leider erst ab 1756. Vereinzelt entdeckt man sie im Kirchenbuch des Nachbardorfes, aber nur ab 1712.

So auch diesen Eintrag:

Anno 1714
d. 18. 9vembris aben(d)s nach 5 Uhr
ist Hans Fricken Ackermann in Wetzleben
ein kleiner Sohn gebohren. Gevattern
wahren Hennig Osteroth, Curd Wefer
zu Tim(m)ern? und Heinrich Löhrs S(eine) e(eheleibliche)
Tochter Margarethe genandt (Name des Sohnes leider verblichen)

Der Name des Sohnes ist verblichen, da er wohl mit einer anderen Tinte geschrieben wurde. Bei den meisten Eintragungen hat sich ein späterer Kirchenbuchführer erbarmt und den Namen nachgezogen. Leider nicht hier. Aufgrund der Vornamen der Paten liegt die Vermutung nahe, daß der Sohn auf den Namen Curd Hennig getauft wurde. So wurde das hier nämlich ziemlich konsequent gehandhabt.

Angenommen, er hieß tatsächlich Curd Hennig, dann kommt es mir seltsam vor, daß Curd Hennig bei seinem Tode nicht 23 Jahre alt war, wie der Eintrag im Kirchenbuch uns weismacht, sondern erst 17 Jahre und zwei Monate. Solche falschen Altersangaben kommen zwar häufig vor, allerdings eher bei älteren Menschen. Ich gehe davon aus, daß die 1732 noch lebende Mutter Curd Hennigs sehr wohl imstande war, das korrekte Alter ihres Sohnes anzugeben.

Wo liegt mein Denkfehler?

Viele Grüße
consanguineus
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Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben
Johann Heinrich CLEVE, Hofmeister auf der Domäne Bornhausen, * um 1775
Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770
Anton BLANKE, Halbspänner in Klein Rhüden, * um 1750
Johann Heinrich MAASBERG, Müllermeister, Kaufmann und Brinksitzer in Söhlde, * 1725
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Geändert von consanguineus (23.01.2020 um 14:05 Uhr)
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  #2  
Alt 23.01.2020, 13:57
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Hallo,

Zitat:
Ich gehe davon aus, daß der Ackermann Hans Fricke (es gab nur einen im Dorf) nicht zwei seiner Söhne auf den gleichen Namen hat taufen lassen.
Aber warum denn nicht? Das war gang und gäbe!
Wenn ein Kind verstarb, man aber den Namen unbedingt erhalten wollte in der Familie, bzw wieder die gleichen (namensgebenden) Paten nahm, bekam das nächstmögliche Kind wieder diesen Namen.

Ich habe es öfter, dass Namen bis zu 4x vergeben wurden, bis entweder das Kind überlebte, oder endlich ein neuer Name gewält wurde.

Beide Kinder hießen Balthasar Heinrich.
Schau doch mal, ob Du zwischen den beiden Sterbedaten nicht doch einen zweiten Geburtseintrag zu einem Balthasar Heinrich findest.

P.S. Ich habe es bei mir sogar, daß 3 Söhne mit gleichem Namen getauft wurden.
Alle 3 lebten und heirateten. Jeder hatte im Taufeintrag die selben 3 Namen. Offensichtlich hatte jeder der 3 daraus einen anderen Rufnamen.
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Viele Grüße .................................. .
Christine
.. .............
Wer sich das Alte noch einmal vor Augen führt, um das Neue zu erkennen, der kann anderen ein Lehrer sein.
(Konfuzius)

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  #3  
Alt 23.01.2020, 14:14
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Hallo Christine,

vielen Dank für Deine Antwort!

Zitat:
Zitat von Xtine Beitrag anzeigen
Aber warum denn nicht? Das war gang und gäbe!
Wenn ein Kind verstarb, man aber den Namen unbedingt erhalten wollte in der Familie, bzw wieder die gleichen (namensgebenden) Paten nahm, bekam das nächstmögliche Kind wieder diesen Namen.
Ja, schon, aber als der eine Sohn 1711 starb, war der andere doch schon geboren. Zumindest wenn man der Altersangabe beim Sterbeeintrag 1732 trauen mag. Dann gab es zwei zur selben Zeit. Und das war hier zu der Zeit nicht üblich!

Zitat:
Zitat von Xtine Beitrag anzeigen
Beide Kinder hießen Balthasar Heinrich.
Und warum hat jemand da Curd Hennig drübergeschrieben? Ich vermute stark, daß es sich nicht um die Originaleinträge handelt, sondern daß ein fleißiger Kirchenbuchführer lange Zeit danach die Bücher kopiert hat. Anders kann ich mir die über viele, viele Jahrzehnte gleichbleibende Schrift und die Lücken auf einem Blatt (!!!) nicht erklären. Da hat der Kopist möglicherweise falsch abgeschrieben und seinen Fehler später bemerkt.

Zitat:
Zitat von Xtine Beitrag anzeigen
Schau doch mal, ob Du zwischen den beiden Sterbedaten nicht doch einen zweiten Geburtseintrag zu einem Balthasar Heinrich findest.
Nein. Ich habe das Buch (für das Nachbardorf ist es die Erstschrift) sehr oft durchgelesen.

Viele Grüße
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  #4  
Alt 23.01.2020, 16:40
Malte55 Malte55 ist offline
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Moin,
mein hypothetischer Vorschlag:
1732 werden zwar die Vornamen geändert aber nicht das Alter, da man vermutlich vom >ältesten Sohn< sprach und der Pastor den Eintrag von 1708/9 ausmachte, ohne in Erwägung zu ziehen das jener 1711 bereits verstorben war. Also kamen die geänderten Vornamen des 1714 geborenen in den Eintrag von 1732 ohne das Alter zu ändern.
LG Malte
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  #5  
Alt 23.01.2020, 16:49
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Moin Malte,

das klingt ziemlich nachvollziehbar. Vielen Dank!

Viele Grüße
consanguineus
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  #6  
Alt 23.01.2020, 20:07
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Die Lösung: ich habe den Originaleintrag in einem anderen Kirchenbuch gefunden.


Anno 1732
ist den 8. Januarii gurgen
Knopffen sein Stieff-Sohn
gestorben? von 23 Jahren


Man wußte bei der mir bislang bekannten Abschrift also nicht, um welchen der Söhne Hans Frickes es sich handelte (Hans Georg Knopf war der zweite Mann der Witwe des Hans Fricke). Also schrieb man erst den einen auf, nämlich Balthasar Heineke, bemerkte dann, daß der ja schon über 20 Jahre tot war und berichtigte den Fehler indem man einen vom Alter her ungefähr passenden Sohn, nämlich Curd Hennig, angab. Ob 1732 wirklich Curd Hennig starb, oder aber ein anderer Fricke-Sohn, dessen Geburt nicht in den zeitweise überaus liederlich geführten Büchern verzeichnet war, wissen wir nicht. Ich denke, wer seine Bücher so saumäßig geführt hat, der wußte auch nicht, wie alt der Verstorbene war. Vielleicht hat der Pfarrer wirklich irgendetwas aufgeschrieben.

Viele Grüße
conanguineus
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