#1  
Alt 24.05.2021, 17:43
Andrea1984 Andrea1984 ist offline weiblich
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Standard Allgemeine Frage zu unehelichen Kindern

Hallo.

Was meint ihr, warum bei dem einen oder dem anderen Kind kein Vater angegeben ist ?

Ich habe dazu einige Theorien:

- Es ist eine "besoffene Geschichte" gewesen d.h. ein Volksfest/Kirchtag/Kirchweihmarkt oder etwas in der Richtung und die Kindsmutter hat den Namen des Kindsvater nicht gewusst/vergessen/einen verkehrten Namen des Kindsvaters auf Nachfrage bekommen

- Es ist der Briefträger/der Pfarrer/der Heilige Geist gewesen

- Es ist der Standesunterschied im Weg z.B. Bauer/Magd, Bäuerin/Knecht etc. oder unterschiedliche Gesellschaftsschichten und es wäre für die Ehre der Kindsmutter/des Kindsvaters nicht förderlich den Kindsvater anzugeben

- Es ist ein vorbeizeihender Handwerksbursche auf der Stör gewesen

- Es ist eine Vergewaltigung gewesen z.B. der eigene Vater oder der Bruder oder der Cousin oder wer auch immer

Was meint ihr dazu ?

Ein Urteil steht mir nicht zu, da ich die genauen Umstände - buchstäblich - nicht kenne.

Herzliche Grüße

Andrea
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Geändert von Andrea1984 (24.05.2021 um 18:30 Uhr)
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  #2  
Alt 24.05.2021, 18:06
Benutzerbild von Garfield
Garfield Garfield ist offline weiblich
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Hallo

Ganz ehrlich: wer kann das heute schon wissen, wenn es dazu keine schriftlichen Hinweise oder wenigstens mündliche Überlieferungen gibt?

In der Schweiz (ich weiss nicht, wo überall) gab es Chorgerichte bzw. später Sittengerichte, die die Kirchenzucht umzusetzen hatten. Dazu gehörte auch die Aufgabe, möglichst uneheliche Kinder zu vermeiden, sprich, die meist jungen Mädchen mit heut ezweifelhaften Methoden dazu zu bringen, den Namen des Vaters zu nennen. Denn wenn der Vater das Kind als eigenes anerkannte, musste er finanziell dafür aufkommen. War kein Vater bekannt, musste die Gemeinde für das Kind aufkommen.
Das wussten aber auch die jungen Männer, die entsprechend versuchten, nicht genannt zu werden.
Ich denke aber auch, dass viele junge Frauen aus Scham keinen Namen nannten. Spätestens wenn die Schwangerschaft ans Licht kam, werden sich wohl einige junge Männer aus dem Staub gemacht haben und die junge Frau wurde möglicherweise sogar von ihrer Familie verstossen und/oder verlor ihre Arbeit.

Ich habe einen Fall in der entfernten Verwandtschaft, bei der in den 1970ern vor Gericht festgehalten wurde, dass die junge Frau nicht wisse, wer von den möglichen drei jungen Männern der Vater des Kindes ist. Ich werde aber tunlichst vermeiden, das irgendwie zu verurteilen.
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  #3  
Alt 24.05.2021, 18:38
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Zitat:
Zitat von Andrea1984 Beitrag anzeigen
... Was meint ihr, warum bei dem einen oder dem anderen Kind kein Vater angegeben ist ? ...
Hallo
weil die Angabe gegenüber dem Pfarrer, der moralischen Autorität, nur Nachteile bringt, insbesondere natürlich für den Vater.

Das läuft dann so ab:
Kindsvater zur Kindsmutter: "Wehe wenn Du das sagst, dann werde ich es leugnen, das Kind bekommt dann von mir gar nichts, und Dich werde ich hassen"
Die Kindsmutter denkt sich dann, die einzige Chance, die sie hat, dass das Kind vom Kindsvater mitversorgt wird, ist, dass sie das tut, was er sagt.
__________________
Viele Grüße
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  #4  
Alt 24.05.2021, 19:08
Andrea1984 Andrea1984 ist offline weiblich
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Hallo.

Danke für eure Antworten, ich freue mich sehr darüber.

Herzliche Grüße

Andrea
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  #5  
Alt 24.05.2021, 21:34
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Gudrid Gudrid ist gerade online weiblich
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In unserer Gegend war es bis etwa Anfang/Mitte des 19. Jahrhunderts üblich, dass der Kindsvater in den Kirchenbüchern angegeben wurde, den die Mutter benannte. Das Kind erhielt dann automatisch den Familiennamen des Vaters.
Später wurde das per Gesetz verboten, sodass man sich bei der Forschung ab dieser Zeit mit den Vormundschaftakten herumschlagen muss, um den Vater zu finden.
__________________
Liebe Grüße
Gudrid
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  #6  
Alt 25.05.2021, 08:46
Lock Lock ist gerade online
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Moin

Bei nicht angegebenen Vätern lassen sich die Umstände der Schwangerschaft schwer feststellen. Ich denke aber die sind ähnlich gelagert, wie bei bekannten Vätern unehelicher Kinder.
Häufig bestand ein soziales Abhängigkeitsverhältnis, da habe ich mehrere.
Der Vater Gutsinspektor war auf drei Gütern tätig, auf jedem hat er mindestens ein Kind hinterlassen, die Mütter (drei verschiedene) waren jeweils Mägde aus den niedrigsten Sozialen Schichten(Tochter des Pferdeknechtes u. ähnlich). Er scheint sich aber um seine Kinder gekümmert zu haben. Der Sohn wurde später Gutsschreiber, allein das Schulgeld hätte die Mutter vermutlich nicht aufbringen können. Sie war auch zeitlebens nicht verheiratet.
Bei einem Enkel einer Tochter war er dann später Taufpate.
Ebenso kommen immer mal wieder Fälle vor, das das Paar erst später heiratet. Da lagen meist Rechtliche oder Ökonomische Gründe vor die eine Heirat nicht zuließen. (Soldaten brauchten z.b. die Erlaubnis des Vorgesetzten)
und als dritte Kategorie tauchen, ich sage mal die Unwissenden und oder Prostituierten auf.
Ein Jägerbursche "musste" sechzehnjährig, die Tochter des Waldwartes, zwanzigjährig heiraten (1685).Die Ehe wurde später wieder geschieden.
Bei dem Tod der Frau, sie wurde immerhin 62 Jahre, hat der Pfarrer auf ihren "Gottlosen" Lebenswandel hingewiesen, das sie bereut hat. Und ein Christliches Begräbnis erhalten hat. Bemerkenswert finde ich, das der Pfarrer, die Unehelichen Kinder einmal schlicht mit unehelich bezeichnet, aber einige Male auch als Hurenkind, was Rückschlüsse auf das Gesellschaftliche Ansehen der Mutter zu lässt.
Dokumentierte Fälle von Vergewaltigung habe ich keine. Aus zeitnaher Literatur (Chroniken) lässt sich entnehmen, das auch Vergewaltiger ganz schnell Ihren Kopf verlieren konnten.
Interessant sind in dem Zusammenhang die Sterbeeinträge der Festung(Gefängnis) Spandau, da ist neben der Todesursache, auch oft ein Haftgrund genannt.
Bei Frauen, Verheimlichte Schwangerschaft.

v.G. Gerhardt
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