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  #1  
Alt 27.04.2021, 21:34
Benutzerbild von Sigrun78
Sigrun78 Sigrun78 ist offline weiblich
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Standard Recherche zu Opfer von Euthanasie während NS Zeiten

Hallo,

ich bin auf der Suche, wie ich an Informationen zu Opfern von Euthanasie zu NS Zeiten komme.
Die Ururgroßmutter meines Mannes hieß
Marie Auguste Christiane Werner, geborene Tischow am 24.07.1875 in Grünhain im Erzgebirge, gestorben am 20.04.1940 in der Helios Klinik in Berlin-Buch.
Verheiratet mit Paul August Richard Werner, 26.02.1883 bis 03.07.1939 jeweils Berlin.

Marie steht auf der Opferliste von Gedenkort-T4 https://www.gedenkort-t4.eu/sites/de...ar_schulze.pdf

hier ihre Sterbeurkunde https://www.ancestry.de/imageviewer/...38?pId=5028553

Ich habe noch nicht viel recherchiert, weil ich nicht so richtig weiß, wie ich das Thema angehen soll. Ich würde gerne mehr Informationen über Maries Schicksal erfahren. Beim Bundesarchiv gibt es eine Liste, zu welchen Opfern noch Patientenakten verfügbar sind, das war leider negativ.

In diesem Thread kann man den Anfang durchlesen, es ging ganz harmlos mit Lesehilfe für eine Geburtsurkunde los. Ich wäre ja selber nie auf den Gedanken gekommen, dass hinter dir Sterbeurkunde mehr steckt, aber zum Glück gibt es hier ja wahnsinnig hilfreiche Menschen. https://forum.ahnenforschung.net/sho...d.php?t=204960

Vielleicht hat hier ja jemand eine Idee, wie man so ein Thema anpackt!

vielen Dank
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Viele Grüße, Sigrun78

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  #2  
Alt 28.04.2021, 08:14
Elizabeth Elizabeth ist offline
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Registriert seit: 01.07.2020
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Standard Ich möchte mich anschließen - für Elise

Guten Morgen,
ich möchte mich anschließen - wenn ich darf.
Kurz vor Ostern habe ich Geburts- und Heiratsurkunde von Elise aus einem Staatsarchiv erhalten, nachdem das Stadtarchiv des Geburtsortes sich nicht zuständig sah.
Zu meiner Überraschung war Elise geschieden und in einem mir unbekannten Ort verstorben: Bernburg II. Hinsichtlich der Sterbeurkunde verwies das Staatsarchiv auf das kommunale Archiv in Bernburg.

Nachdem ich das Internet zu Bernburg bemüht habe, kamen auch Hinweise auf die Heil- und Pflegeanstalt Bernburg mit Gaskammer und Krematorium. Daß Bernburg II tatsächlich das Sonder-Standesamt der dortigen Euthanasie-Einrichtung war, wurde mir erst vor wenigen Tagen bestätigt.
Ich bin einfach fassungslos. Wie kann es sein, daß man im Zuge von Familienrecherchen auf solche Vorgänge stoßen muß und es zuvor offensichtlich niemanden interessiert hat?
Aktuell versuche ich an das Scheidungsurteil zu gelangen - mit schlechten Aussichten - und habe die Meldeunterlagen des letzten mir bekannten Aufentshaltsortes von Elise angefordert.

Geändert von Elizabeth (28.04.2021 um 08:41 Uhr)
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  #3  
Alt 28.04.2021, 09:55
MarthaLU MarthaLU ist offline
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Ich kann keinen Rat geben, möchte aber auf ein Buch hinweisen, das beispielhaft die Geschichte eines solchen Verbrechens erzählt. Von einem ihrer Enkel geschrieben, der wie ihr selber auf die Suche gegangen ist. Mich hats beeindruckt, und ich denke, da findet man immerhin Anregungen, wo man suchen kann:

Emma Z- ein Opfer der Euthanasie

Geändert von MarthaLU (28.04.2021 um 09:58 Uhr)
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  #4  
Alt 28.04.2021, 11:30
Elizabeth Elizabeth ist offline
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Vielen lieben Dank.
Ich habe es schon bestellt.
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  #5  
Alt 28.04.2021, 11:57
WeM WeM ist offline weiblich
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grüß euch,


ich stelle euch hier zwei links ein zu dem Thema.
Zum einen bin ich schon vor Jahren auf die Chronik der "Barmherzigen Brüder" in Straubing gestossen. Darin wird auch die Geschichte dieser Einrichtung während des 3. Reiches behandelt:
https://barmherzige-straubing.de/fil...1.1Chronik.pdf
Zum anderen gabs im Bayerischen Fernsehen im Januar eine Doku, die man noch in der mediathek anschauen kann:
https://www.br.de/mediathek/video/oh...d00200131eb01d


Waltraud
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  #6  
Alt 28.04.2021, 12:05
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Sigrun78 Sigrun78 ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von Elizabeth Beitrag anzeigen
Guten Morgen,
ich möchte mich anschließen - wenn ich darf.
Kurz vor Ostern habe ich Geburts- und Heiratsurkunde von Elise aus einem Staatsarchiv erhalten, nachdem das Stadtarchiv des Geburtsortes sich nicht zuständig sah.
Zu meiner Überraschung war Elise geschieden und in einem mir unbekannten Ort verstorben: Bernburg II. Hinsichtlich der Sterbeurkunde verwies das Staatsarchiv auf das kommunale Archiv in Bernburg.

Nachdem ich das Internet zu Bernburg bemüht habe, kamen auch Hinweise auf die Heil- und Pflegeanstalt Bernburg mit Gaskammer und Krematorium. Daß Bernburg II tatsächlich das Sonder-Standesamt der dortigen Euthanasie-Einrichtung war, wurde mir erst vor wenigen Tagen bestätigt.
Ich bin einfach fassungslos. Wie kann es sein, daß man im Zuge von Familienrecherchen auf solche Vorgänge stoßen muß und es zuvor offensichtlich niemanden interessiert hat?
Aktuell versuche ich an das Scheidungsurteil zu gelangen - mit schlechten Aussichten - und habe die Meldeunterlagen des letzten mir bekannten Aufentshaltsortes von Elise angefordert.
Aber sicher darfst du dich anschließen. mal gucken, was man zusammen erreichen kann.
Ich vermute, auf die Liste vom Bundesarchiv hast du schon geguckt, ob noch Patientenakten vorliegen?
Wo bekommt man ein Scheidungsurteil? Und welche Infos kann man aus den Meldeunterlagen entnehmen? Ich kenne mich leider überhaupt noch nicht aus, wo man was beantragen kann. Bisher hat es immer ausgereicht, wenn ich mir ab und zu ne Geburtsurkunde beim zuständigen Standesamt beantragt habe.
Ich vermute, dass auch deine Familie davon nichts wusste. Auch wenn Menschen im großen Stil umgebracht wurden, hat man ja dennoch versucht, das ganze zu verschleiern, siehe zb Todesursache auf den Urkunden. Letztes Jahr habe ich das KZ Buchenwald besucht, auch da wurde erzählt, dass teilweise ziemlicher Aufwand betrieben wurde, sich alternative Todesursachen auszudenken und schriftliche Beileidsbekundungen für die Angehörigen zu verfassen... Ich gebe zu, davon war ich überrascht.
Die Liste mit den Opfern ist wohl auch erst seit 2018 öffentlich, vorher wurde gerne Stillschweigen gewahrt.
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  #7  
Alt 28.04.2021, 12:07
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Sigrun78 Sigrun78 ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von MarthaLU Beitrag anzeigen
Ich kann keinen Rat geben, möchte aber auf ein Buch hinweisen, das beispielhaft die Geschichte eines solchen Verbrechens erzählt. Von einem ihrer Enkel geschrieben, der wie ihr selber auf die Suche gegangen ist. Mich hats beeindruckt, und ich denke, da findet man immerhin Anregungen, wo man suchen kann:

Emma Z- ein Opfer der Euthanasie
Danke, kommt auf meine Liste. Gestern hab ich mir erstmal Annes Spuren bestellt. Bin schon gespannt.
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  #8  
Alt 28.04.2021, 12:40
Elizabeth Elizabeth ist offline
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Zitat:
Zitat von Sigrun78 Beitrag anzeigen
Aber sicher darfst du dich anschließen. mal gucken, was man zusammen erreichen kann.
Ich vermute, auf die Liste vom Bundesarchiv hast du schon geguckt, ob noch Patientenakten vorliegen?
Wo bekommt man ein Scheidungsurteil? Und welche Infos kann man aus den Meldeunterlagen entnehmen? Ich kenne mich leider überhaupt noch nicht aus, wo man was beantragen kann. Bisher hat es immer ausgereicht, wenn ich mir ab und zu ne Geburtsurkunde beim zuständigen Standesamt beantragt habe.
Ich vermute, dass auch deine Familie davon nichts wusste. Auch wenn Menschen im großen Stil umgebracht wurden, hat man ja dennoch versucht, das ganze zu verschleiern, siehe zb Todesursache auf den Urkunden. Letztes Jahr habe ich das KZ Buchenwald besucht, auch da wurde erzählt, dass teilweise ziemlicher Aufwand betrieben wurde, sich alternative Todesursachen auszudenken und schriftliche Beileidsbekundungen für die Angehörigen zu verfassen... Ich gebe zu, davon war ich überrascht.
Die Liste mit den Opfern ist wohl auch erst seit 2018 öffentlich, vorher wurde gerne Stillschweigen gewahrt.

Elise steht auf keiner Liste, die ich bisher einsehen konnte.
Was die Familie wußte, ich weiß es nicht ...
Die Ehe wurde ja geschieden, die Kinder waren zum Teil noch ganz klein und blieben wohl beim Vater.

Das wenige, was mir erzählt wurde, hatte ich so verstanden, daß sie sehr früh verstorben war. Insofern war ich von der Scheidung überrascht und dem sehr viel späteren Todeszeitpunkt. Elise gehört zur angeheirateten Familie.

Meldeunterlagen, sofern nicht durch den Krieg vernichtet, sind in den jeweiligen Kommunal- oder Kreis-Archiven vorhanden. Scheidungsurteile sollen sich auch in den Archiven befinden können. Bislang hatte ich aber keinen Erfolg.
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  #9  
Alt 28.04.2021, 14:40
Benutzerbild von Svenja
Svenja Svenja ist offline weiblich
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Hallo

Es gibt hier im Forum zwei oder drei sehr ausführliche Threads zum Thema Euthanasie-Opfer mit diversen hilfreichen und informativen Links.

Zitat:
Wie kann es sein, daß man im Zuge von Familienrecherchen auf solche Vorgänge stoßen muß und es zuvor offensichtlich niemanden interessiert hat?
Das ist leider oft so bei Euthanasie-Opfern, die wurden einfach totgeschwiegen.

Gruss
Svenja
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Meine Website über meine Vorfahren inkl. Linkliste:
https://iten-genealogie.jimdofree.com/

Interessengemeinschaft Oberbayern http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=38

Interessengemeinschat Unterfranken http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=37

Interessengemeinschaft Sudetendeutsche http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=73

Geändert von Svenja (28.04.2021 um 14:47 Uhr)
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  #10  
Alt 28.04.2021, 14:46
Lock Lock ist offline
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Registriert seit: 07.04.2016
Beiträge: 413
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Hallo Zusammen

Ihr seid auf ein Emotional bewegendes Thema gestoßen.
Um mehr über die Einzelschicksale zu erfahren ist es angebracht den Blickwinkel weit zu fassen. Und das persönliche und auch Gesellschaftliche Umfeld in der Zeit zu betrachten.
Wie wurde beispielsweise überhaupt mit psychisch Erkrankten umgegangen und das auch schon vor dem Dritten Reich.
Einen Lebenslauf zu rekonstruieren ist mühsam und erfordert jede menge Kleinarbeit.
Auf die Marie bezogen heißt das den Punkt mit den meisten Informationen bestimmen und zu beiden Endpunkten Geburt/Tod vorarbeiten.
Wie lebten die Eltern(das Erzgebirge war zu der zeit eine arme Gegend).
Ich würde in der Gegend auch nach alten Schulakten forschen, Heimatstuben/Museen sind da manchmal ganz ergiebig.
Wieso verschlug es sie als junge Frau, nach Leipzig und nicht nach z.B. Chemnitz das lag näher, wieso als Familie nach Berlin.
Gesichert ist ja wohl, das sie psychisch Erkrankt war. Heute würde man wohl eine Variante Demenz diagnostizieren. Eigentlich war sie dafür aber noch etwas zu jung. Auch die Geschichte vom Klinikum Berlin-Buch könnte erkenntnisgewinn bringen. Es war ja Lungenheilanstalt, Altersheim und städtisches Irrenhaus.
Die angegebene Todesursache kann verfälscht sein und das Todesjahr 1940 legt nahe, das sie eines der Opfer war.
Schlussendlich müsst ihr Euch auch mit der Ideologie der Nationalsozialisten befassen, die ganzen Gruppen von Menschen das Recht auf Leben abgesprochen haben und diese Ansichten mit millionenfachen Mord umgesetzt haben.
Viel Erfolg bei Euren Forschungen.

v.G. Gerhardt
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