#1  
Alt 19.09.2018, 21:47
sonki sonki ist offline
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Standard Landwehr Infanterie Regiment Nr. 6 (neupreußisch 1846-185x)

Hallo,

einer meiner x-Urgroßväter (geboren wohl Ende 1819) war mindestens in der Zeit 1847-1851 Stammgefreiter in der 12. Kompanie des 6. Landwehrregiment (so steht es in den Taufeinträgen seiner Kinder). Zu dieser Zeit findet man die Taufen 2 seiner Kinder in den Militärkirchenbüchern von Glogau/Schlesien.

Die Taufen der 2 Kinder 1847 & 1851 in der Garnisons-Kirche Glogau findet man jeweils(!) in 2 Kirchenbüchern:

a)
3. Bat. Glogauisch. 18. Landwehr Rgt.
(Familysearch)-Film: 71469

b)
Garnisons-Gemeinde Glogau
(Familysearch)-Film: 71474


Seine Heirat 1846 ist im evg. Kirchenbuch von Loewenberg/Schlesien eingetragen, dort allerdings nur mit minimalsten Angaben (nur Name + Beruf).

Daher einige Fragen:

1. Was genau ist ein Stammgefreiter? (also was bedeutet in diesem Fall das Stamm* - eine längere Verpflichtung oder ...?)
2. Zwischen 1847 & 1851 würde ich ja eigentlich noch 1-2 weitere Kinder vermuten (klar, muss natürlich nicht sein) - und da 1848 ein turbulentes Jahr war, frage ich mich wo man da ansetzen könnte.
2. Besteht die Möglichkeit, dass die Trauung 1846 neben dem zivilen Kirchenbuch auch in einem Militärkirchenbuch des LIR 6 auftaucht und wenn ja, wo könnte dies zu finden sein?

Obige Taufen habe ich ausschließlich über den Index bei Ancestry gefunden. Die Zeit zwischen 1847-1851 habe ich dort manuell durchgeblättert, aber keine weitere Taufe gefunden. Aber wer weiß, vielleicht war er in dieser Zeit auch nicht in Glogau stationiert, sondern insbesondere 1848 irgendwo anders. Ich finde aber leider nichts zu möglichen Orten des LIR6. Hat jemand Suchansätze oder irgendwelche Ideen? Wie gesagt, ob weitere Kinder existieren ist mir nicht bekannt, aber nur 2 Kinder fände ich für die damalige Zeit eher wenig.

P.S. Falls es hilft - es geht um das Ehepaar:
Karl Heinrich August Götze & Johanne Dorothea Götze geb. Bieselt (sie ist wohl aus Thomaswaldau - KBs futsch), beide evg.

P.S. Ach ja, später soll der August Götze (laut Familienbuch) Gerichtsbotenmeister gewesen sein (wo er wohnte ist unbekannt) - nun sehe ich bei szukajwarchiwach folgende Akte:
"Acta des Königl. Oberlandes-Gerichts zu Breslau betr.die Dienst-u. Personal-Verhältnisse des Stamm. August Goetze" (Link) - Leider mit dem öminösen unheilvollen "Zustand: destruct" markiert. Aber so rein theoretisch (auch wenn der Name alles andere als einzigartig ist), könnte das eine Akte eines Gerichtsmitarbeiters sein?

Geändert von sonki (19.09.2018 um 22:36 Uhr)
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  #2  
Alt 20.09.2018, 10:08
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
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Die preußische Landwehr in den 1840/50er Jahren war keine aktive Truppe. Man beschränkte sich auf regelmäßige Übungen. Es wurde daher vom eigentlichen Regiment - hier also das 1. Westpreußische Landwehrregiment Nr. 6 (1821-1860 als 6. LwR bezeichnet) - lediglich ein sogenannter (Landwehr-) Stamm benötigt. Das waren ein paar Mann, die die Übungen vorbereiteten und sich vor allem um Waffen und Gerät kümmerten. Richtig, 1848/49 wurde das Regiment 'zu den Waffen gerufen'. Es ging gegen den 'Feind im Innern'. Der 6. LwR kam im GHz Posen zum Einsatz, das III. Btl. davon war am 'Gefecht' bei Miloslaw beteiligt - das war's dann aber schon. Das III. Btl. stand von 1827 bis 1842 in Löwenberg, kam bis 1867 nach Glogau u. wurde 1868 aufgelöst. Für das Regiment gab es erst seit 1848 ein eigenes MKB, davor seit 1842 nur für das III. Btl in Glogau und davor wurden die KB-Bde. für das LwR 18 genutzt - daher die Bez. bei den Mormonen. Also aufpassen!

Woher stammt denn die Tr? Von hier? Es gibt nämlich ein Garnison-KB für Löwenberg und da fehlt sie in 1846. Demnach war August zu dieser Zeit noch Zivilist, richtig? Gut, er stammte aus dem Kreis Bunzlau und wurde zum III. Btl. nach Glogau versetzt. Wenn die Kinder nach 1846 geboren wurden, gingen sie etwa nach 1861 zur Konf. Das Kf-Verz. des Rgt. endet 1861, so müßten die Kinder im Kf-Verz. der Glogauer Garnison verzeichnet sein - sind sie aber nicht. Entweder ist es nicht vollständig oder August war 1861 schon nicht mehr in Glogau beim Militär.

In den Breslauer Adreßbüchern 1868 u. 1870 habe ich bisher keinen Gerichtsdiener August G. nachweisen können.
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  #3  
Alt 20.09.2018, 12:09
sonki sonki ist offline
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Hallo Kleinschmid,

vielen Dank für die ganzen Erläuterungen, das ist doch schon einmal interessant und hilfreich.

Die bekannten Daten stellen sich wie folgt dar - laut Familienbuch (vieles ist dort aber mit Fragezeichen versehen):

Karl Friedrich August Götze/Goetze
* 29.12.1819 Jakobskirch (evg)
Eltern: Karl Friedrich Wilhelm Götze und Johanna Jacobine Sabbath

Wie gesagt, obige Angaben sind selbst im Familienbuch mit "?" versehen.
Nachgewiesen ist aber folgendes:

Karl Friedrich August Götze heiratet am 02.06.1846 in Löwenberg die Johanne Dorothea Bieselt (aus Thomaswaldau stammend).
Der Eintrag findet sich, wie schon richtig vermutet im zivilen evg. Kirchenbuch von Löwenberg (dieses Buch). Eine Kopie des Eintrages hatte ich nach Anfrage beim zuständigen Archiv bekommen. Er wird dort als Schneider bezeichnet - ohne Hinweise auf eine militär. Position, es ist also gut möglich das er zu dieser Zeit also noch Zivilist war.

Außer den beiden Kindern (geb. 1847 & 1851) ist bisher nichts bekannt. Vom 1. Kind, Ida Henriette Auguste Götze (*11.07.1847 Glogau), ist nichts weiter bekannt - nur der Taufeintrag. Vom 2. Kind, dem Sohn Karl, ist der weitere Lebenslauf komplett nachgewiesen - er ging nach Breslau, von dort nach Oppeln und verstarb am Ende aber wohl 1932 in Löwenberg.

Zurück zum 1819 geborenen August Götze. Wie gesagt, er heiratete 1846 in Löwenberg, war dann scheinbar zwischen 1847 und 1851 zum Teil in Glogau und 1848/49 laut deinen Angaben im Posener Gebiet, im April '48 dann das Gefecht bei Miloslaw.

Laut dem Familienbuch hatte er nach Schneider noch den Beruf "Gerichtsbotenmeister". Im Amts-Blatt der Preußischen Regierung zu Liegnitz 1876 findet man einen Eintrag, das der Gerichtsdiener August Götze zum Botenmeister am Gericht Löwenberg ernannt wurde. Dabei könnte es sich vielleicht um die gesuchte Person handeln. Aber das bleibt auch nur Spekulation. So bleibt vorerst die Zeit nach 1851 bis zu seinem Tod ein schwarzes Loch.

Wahrscheinlich müsste man die Löwenberger Unterlagen (auch die erhaltenen Sekundärquellen) durchwühlen - aber diese liegen wohl nur im Archiv Hirschberg (Jelenia Góra) vor Ort. Bei szukajwarchiwach ist zwar vieles gelistet, aber noch nichts digitalisiert bzw. online.
Auch scheinen doch mehr Zivilstandregister vorhanden zu sein, als z.b. christoph-www listet, wenn ich das richtig deute.
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  #4  
Alt 20.09.2018, 13:07
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
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Ein Denkfehler von mir! Der genannte Bestand gehört zum Oberlandesgericht Breslau, davon gab es nur das eine in Schlesien, das aber scheinbar die Personalunterlagen der Bediensteten aller ihm untergeordneter Gerichte (Amts- u. Landesg.) aufbewahrte. Von daher muß der Gerichtsdiener August G. natürlich nicht zwingend in Breslau tätig gewesen sein. Ich vermute, die fragliche Akte wurde durch das Oderhochwasser beschädigt. Daher sollte man beim SA Breslau anfragen, ob eine Restaurierung noch aussteht oder ob zumindest eine Überprüfung durch einen Archivar betref. des Geburtsdatums möglich ist.

Im Juni 1856 wurde der Gefreite Götze in Glogau zum Hülfsgefangenwärter beim Kreisgericht zu Rothenburg / OL versetzt [Liegnitzer Amtsblatt, Nr. 28, 12.7.1856].
Im Mai 1857 wurde der Hülfsgefangenwärter Götze zu Rothenburg / OL als Hülfsbote und Exekutor an das Kreisgericht in Glogau versetzt [L.A., Nr. 23, 6.6.1857].
Im Dez. 1857 wurde der Hülfsunterbeamte Götze zum Boten/Exekutor beim Kreisgericht in Glogau ernannt [L.A., Nr. 2, 9.1.1858].
Im Januar 1869 wurde der Bote u. Exekutor Götze zu Glogau zum ersten Gerichtsdiener am Kreisgericht in Löwenberg mit der Funktion als Botenmeister und Exekutions-Inspektor ernannt [L.A., Nr. 7, 13.2.1869].
Im Januar 1876 wurde der Gerichtsdiener Götze zu Löwenberg zum Botenmeister befördert [L.A., Nr. 2, 8.1.1876].

Geändert von Kleinschmid (20.09.2018 um 15:40 Uhr)
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  #5  
Alt 20.09.2018, 14:29
sonki sonki ist offline
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Hallo Kleinschmid!

Ah, interessant, mal schauen ob es sich ja dann wirklich um seine Akte beim Oberlandesgericht handeln könnte - sofern diese Akte nicht zu stark beschädigt wurde (ein Jammer, habe einige Funde bei szukajwarchiwach von zT. direkten Vorfahren die wohl vom Hochwasser beschädigt/zerstört wurden). Ich werde dort aber mal anfragen. Der dort angegebene Zeitrahmen 1856-1900 könnte ja eventuell auf ein Eintritt 1856 in das Gerichtswesen hindeuten - 1900 dann der Tod? Naja, wer weiß...

Diese Angaben aus dem Amtsblatt klingen verdammt interessant und tendenziell ist die Wahrscheinlichkeit nicht so schlecht, das diese zu meinem August Götze gehören. Vielen Dank für diese Auflistung/Recherche.
Zu schade das von den Städten Glogau & Löwenberg nur Fragmente der evg. Kirchenbücher überlebt haben. Aber das sind doch mal ein paar Daten wo man weiter ansetzen kann.

Geändert von sonki (20.09.2018 um 14:55 Uhr)
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  #6  
Alt 20.09.2018, 23:32
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
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Ja, die Akte wird zu unserem August gehören. Nur inwieweit sie 'genealogische Daten' enthält, ist die Frage. Geburtsort, -datum u. Eltern von ihm sind ja bekannt. Geheiratet hatte er bereits als Zivilist, und seine Kinder werden höchstens numerisch erwähnt werden - wenn überhaupt. Bleiben eben die Versetzungen, Beförderungen und Beurteilungen, was für eine Familienchronik natürlich ebenfalls sehr interessant ist.

Dann wünsche ich viel Glück mit der Anfrage in Breslau, vielleicht läßt sich da doch irgendwie etwas machen. In Polen ist manches möglich ...
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  #7  
Alt 20.09.2018, 23:41
sonki sonki ist offline
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Ja, ob da etwas genealogisches Wertvolles enthalten ist, wäre mir in der Tat nicht wichtig. Ich sammel auch Daten zum Leben/Werdegang, insbesondere bei direkten Ahnensträngen. In Schlesien nimmt man halt alles was man bekommen kann, tröstet ja manchmal über die anderweitigen KB-Verluste hinweg.

Im Idealfall ist in dieser Akte (sofern kein Hochwasserverlust) ja auch der Tod vermerkt. Anfrage ist jedenfalls raus, wenn ich was höre, werde ich es hier nachreichen. Jetzt heißt es hoffen, dass das Oderwasser den Werdegang nicht für immer geschluckt hat.
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  #8  
Alt 11.01.2019, 18:34
sonki sonki ist offline
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Zitat:
Zitat von Kleinschmid Beitrag anzeigen
Dann wünsche ich viel Glück mit der Anfrage in Breslau, vielleicht läßt sich da doch irgendwie etwas machen. In Polen ist manches möglich ...
Hallo,

ja, nun kam die Antwort aus Breslau, Akte vorhanden 178 Seiten - würde mich 80 Euro kosten
Da muss ich mal in Ruhe überlegen - das ist ein Batzen Geld. Falls ich mich überwinde, werde ich schreiben ob es sich gelohnt hat. Mal drüber schlafen..
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  #9  
Alt 18.01.2019, 01:17
sonki sonki ist offline
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So, Geld überwiesen und heute kam die Antwort - habe die ersten Ergebnisse hier kurz vermerkt - hat sich definitiv gelohnt - es sind einige genealogische Daten enthalten, plus eine Vielzahl an anderen Daten. Sehr interessant
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