#1  
Alt 29.04.2021, 15:51
twinbaby twinbaby ist offline
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Standard KZ Neuengamme

Hallo,
hat jemand Erfahrungen und/oder Informationen über das KZ Hamburg-Neuengamme?
Mein Großonkel wurde im Juni 1942 dorthin "transportiert". Er starb dort im November 1942 angeblich an Herz- und Kreislaufversagen aufgrund einer Lungenentzündung. Ich habe seine Sterbeurkunde und er ist dort in den Archiven registriert.
Ich hab auch mit der Gedenkstätte Kontakt aufgenommen und sie haben mir noch einen Auszug aus dem "geretteten" Totenbuch geschickt, dort ist er als politischer Häftling aufgeführt.
Leider habe ich so gar keine Kenntnisse über und um das KZ. Warum und wie schnell wurde jemand dorthin inhaftiert? Oder brauchte man einfach einen "Aufhänger", um Arbeitskräfte zu generieren. Leider habe ich über meinen Großonkel auch keine weiteren Informationen.
Vielleicht hat ja irgendjemand mehr Kenntnisse...
Danke für Antworten.
Viele Grüße
Claudia
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  #2  
Alt 29.04.2021, 17:08
Carolien Grahf Carolien Grahf ist offline weiblich
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Im allgemeinen ist bekannt, dass die Nazis keinen Grund brauchten. Du kannst demnach alles annehmen oder nichts. Es hat auf jedenfall gereicht um in ein KZ überstellt zu werden.

1942

Infolge der 1941 ausgebrochenen Epidemie wurde das gesamte Lager unter Quarantäne gestellt. In den ersten sechs Wochen wurden durch die Lagerverwaltung keine nennenswerten Schritte zur Überwindung der Epidemie unternommen. Später wurden der Duschraum und die Entlausungsanstalt fertiggestellt. Nachdem die Häftlinge die Baracken mit Papier abgedichtet hatten, wurden die Räume mit Zyklon B begast. Erst mit der Inbetriebnahme der Dusch- und Entlausungsanlagen Ende März 1942 konnte die Epidemie, an der etwa 1000 Häftlinge starben, eingedämmt werden.
Zwischen 1941 und Anfang 1942 begannen erste Tötungen nicht arbeitsfähiger Häftlinge durch Phenolspritzen. Diese Methode wurde zuerst durch Rottenführer Bahr und SS-Unterscharführer Breuning im sowjetischen Kriegsgefangenenlager angewandt. Der SS-Arzt Nommensen selektierte alle nicht mehr für das KZ Dachau benötigten Häftlinge aus. Unter dem Vorwand, eine Röntgenuntersuchung durchzuführen, wurden die Häftlinge ins Krankenrevier bestellt und getötet.
Ab April 1942 wurden 500 Neuengammer Häftlinge zum Aufbau des KZ Arbeitsdorf überstellt, der Lagerkommandant Martin Gottfried Weiß führte die Konzentrationslager Neuengamme und Arbeitsdorf zunächst in Personalunion.
Ab dem 3. Juni 1942 mussten die Häftlinge auf Anweisung von Gerhard Maurer auch am Sonntagvormittag arbeiten, so dass nur der Sonntagnachmittag arbeitsfrei war. Um die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, ordnete das SS-Wirtschafts- und Verwaltungsamt (SS-WVHA)an, die Sterblichkeit in den Lagern deutlich zu senken. Zunächst erhielten alle Häftlinge mehr Nahrung. Ab September entstand neben dem Lager ein ganzer Industriekomplex folgender Unternehmen:
  • Jastram, Kriegsmarineausrüstung, vor allem Motoren und Torpedos
  • Messap, Produktion von Zeitzündern
  • Walther Werke, Herstellung automatischer Gewehre
Ende Juni 1942 wurden die 348 Überlebenden der 1000 sowjetischen Kriegsgefangenen in das KZ Sachsenhausen überstellt. Von Juni bis September 1942 wurden 700 arbeitsunfähige Häftlinge in das KZ Dachau überstellt. In der zweiten Jahreshälfte wurden 6800 Häftlinge aus Konzentrationslagern und der Gestapo nach Neuengamme eingeliefert. Im Herbst 1942 wurden die jüdischen Häftlinge in das KZ Auschwitz überstellt.

Am 1. September löste Max Pauly, ein Kaufmann, den Lagerkommandanten Martin Gottfried Weiß, der ins KZ Dachau abkommandiert wurde, ab. Mit diesem Wechsel war ein Funktionswechsel des KZ Neuengamme verbunden. In dem neben dem Lager entstehenden Industriekomplex wurde die Produktion des Selbstladegewehrs G 43, die erst 1944 in vollem Umfang begonnen werden konnte, vorbereitet. Dies umfasste die Produktionsvorbereitung zum Bau der Pistole P 38, mit dem bereits im Frühjahr 1943 begonnen werden konnte. Im Barackenkomplex erfolgte durch die SS-eigenen "Deutschen Ausrüstungswerke" die Herstellung von Ausrüstungsgegenständen wie beispielsweise Tarnnetze und Patronenkästen. Im Bestreben, Rüstungsgüter von Häftlingen herstellen zu lassen, kam es zu gewissen Lockerungen der Verhältnisse, was sich durch die verschlechterten Ernährungsverhältnisse jedoch nicht positiv auswirkte.

Im Oktober 1942 wurde der Arrestbunker zu einer provisorischen Gaskammer umgerüstet; dafür wurden die Fenster mit Stahlblenden versehen, im Dach sechs Einwurfrohre eingelassen und ein Ventilator installiert. Kurz darauf wurden 197 sowjetische Kriegsgefangene – teils Schwerversehrte – mit Zyklon B ermordet. Vier Wochen später wurden weitere 251 versehrte Kriegsgefangene vergast.
Mit weiteren Häftlingstransporten wurde die Zahl der Insassen gegen Ende 1942 auf 10.000 gesteigert. Im Verlauf des Jahres 1942 wurden 3140 tote Häftlinge bei etwa 13.400 Einweisungsnummern verzeichnet.

Den gesamten Artikel findest du hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Neuengamme

Geändert von Carolien Grahf (29.04.2021 um 21:37 Uhr)
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  #3  
Alt 29.04.2021, 17:50
sophonibal sophonibal ist offline
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Hallo Claudia,


falls noch nicht geschehen kannst du auch mal bei den Arolsen Archives nachschauen, ob der Name dort vorkommt. Sie haben auf jeden Fall was zu Neuengamme.


Gruß, sophi
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  #4  
Alt 29.04.2021, 21:26
Carolien Grahf Carolien Grahf ist offline weiblich
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Neugamme ist im Arolsen Archiv einsehbar. Eine Transportliste von 1945 und 115 Datensätze zu Personen.
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  #5  
Alt 30.04.2021, 00:22
sophonibal sophonibal ist offline
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Wenn du bei Arolsen nicht Neugamme, sondern Neuengamme suchst, findest du ca. 75000 Datensätze zu Personen und zehntausende anderer Dokumente wie Häftlingskarteien, Sterbe- und Transportlisten.
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  #6  
Alt 30.04.2021, 10:50
Carolien Grahf Carolien Grahf ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von sophonibal Beitrag anzeigen
Wenn du bei Arolsen nicht Neugamme, sondern Neuengamme suchst, findest du ca. 75000 Datensätze zu Personen und zehntausende anderer Dokumente wie Häftlingskarteien, Sterbe- und Transportlisten.
Auch eine Variante. Das habe ich mir mal angeguckt.

Grob durch 400 Seiten geblättert. Das ist ein loses Blattwerk ohne jegliche Sortierung und ein Register innerhalb eines Ordners ist komplett Fehlanzeige.

Das eine "Dokument" besteht aus mehr als 30.000 Seiten. Unsortiert. Wer will das denn durchgucken... Nun wird es absurd.

Wer diese Datenbank angelegt hat, ist jedenfalls kein Archivar.
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  #7  
Alt 30.04.2021, 11:20
sophonibal sophonibal ist offline
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das wird jetzt off topic, aber ich bin dankbar dafür, das das arolsen archiv immer mehr material digitalisiert und online zugänglich macht, auch wenn noch nicht alles optimal aufbereitet ist. es gibt ja auch das erfassungsprojekt, an dem sich jeder beteiligen kann.
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  #8  
Alt 30.04.2021, 11:24
twinbaby twinbaby ist offline
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Ich habe jetzt mal das Archiv Arolsen angeschrieben, ob sie noch weitere Auskünfte oder Unterlagen haben. Als durchschnittliche Antwortzeit wird ca. 2 Monate genannt....
Mal sehen, ob ich da Infos bekomme.
Danke auf jeden Fall für Eure Ideen und Denkhilfen.
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