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  #1  
Alt 23.08.2020, 19:08
Benutzerbild von viktor
viktor viktor ist offline männlich
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Standard Merkwürdige Berufsbezeichnung aus der Salzsiederei

Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1677
Region, aus der der Begriff stammt: Salzungen Thüringen


In der zweiten Hälfte des 17.Jhdt taucht in der Salzsiederstadt Salzungen in Thüringen eine merkwürdige Berufsbezeichnung auf.
Schon länger bekannt sind mir da Pfänner und Salzgespane , Inhaber des Siederechts und auch Salzknechte und Spritzer ("Sprietzer"), die an den Siedepfannen und an den Gradiervorrichtungen arbeiten.
Nun taucht so ab 1670 der Begriff "Herrn Sprietzer" auf.
Das gibt mir Rätsel auf. Der Pfarrer schreibt auch ziemlich sauber, einen Lesefehler schließe ich aus.
Ob das eventuell etwas mit der neuen Technologie der Gradierwerke zu tun hat, die in Salzungen nach Schwäbisch Hallischem Vorbild nach 1650 in Salzungen errichtet werden? Sozusagen "Oberspritzer"? "Herr der Spritzer"?
Wer hat eine Idee?
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  #2  
Alt 23.08.2020, 20:01
Xylander Xylander ist offline männlich
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Hallo Viktor,
hättest Du mal einen Textzusammenhang, gern auch einen Scan?
Viele Grüße
Xylander
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  #3  
Alt 23.08.2020, 20:44
Benutzerbild von viktor
viktor viktor ist offline männlich
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Scan geht nicht, ist von Archion.
Aber ich kann es abschreiben:
Ist ein ganz normaler Taufeintrag:
Zitat:
"Sebastian Specht Herrn Sprietzer einen jungen Sohn, Gevatter worden....."
Es gibt auch weiterhin die ganz normalen "Sprietzer".
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  #4  
Alt 23.08.2020, 20:56
Xylander Xylander ist offline männlich
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Hm, ich finde einfach nichts. Gibt es bei den anderen Berufen auch Zusammensetzungen mit Herren? Oder könnten es schlicht bedeuten Sprietzer in Diensten der Salzherren? Also sowas wie Salzherrschaftlicher Sprietzer? So etwas glaube ich eher als Herr der Sprietzer. Der sollte nämlich eigentllch Sprietzerherr heißen.
Viele Grüße
Xylander

Geändert von Xylander (23.08.2020 um 21:26 Uhr)
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  #5  
Alt 23.08.2020, 21:31
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hallo,

ich versteh eure Ansicht nicht.
Es ist doch vergleichbar wie bei "Herr Bürgermeister", also ein Herr Sprietzer.

Das n bei Herrn entstand anscheinend durch den Satzbau, ist also grammatikalisch bedingt; bedeutet demnach nicht "Herren Sprietzer"
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (23.08.2020 um 21:33 Uhr)
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  #6  
Alt 23.08.2020, 21:34
holsteinforscher holsteinforscher ist offline
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Moinsen zusammen,
spritzarbeit, f. arbeit des spritzens, im salzbergbau ein verfahren, wobei gegen die wegzugewinnende gebirgsmasse wasserstrahlen gerichtet werden, die die im wasser löslichen theile derselben auflösen und dadurch das niederfallen der übrigen theile als schlamm veranlassen. Veith bergwb. 456. vgl. spritzwerk.

aus: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm
__________________
Die besten Grüsse von der Kieler-Förde
Roland...


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  #7  
Alt 23.08.2020, 21:39
Xylander Xylander ist offline männlich
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@ASW: Hab ich auch überlegt. Aber für mich ist es eindeutig Berufsbezeichnung. Sonst müsste es heißen: H(errn) Sebastian Specht Sprietzer einen jungen Sohn
Viele Grüße
Xylander

Geändert von Xylander (23.08.2020 um 21:40 Uhr)
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  #8  
Alt 23.08.2020, 21:57
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viktor viktor ist offline männlich
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Spritzer ist eine übliche Berufsbezeichnung in Salzungen, früher haben die Spritzer die Salzsole über Heuhaufen gespritzt, damit durch Verdunstung der Salzgrad erhöht wird.
Diese Arbeit wurde durch Erfindung der Gradierwerke erheblich erleichtert und verbessert. Ein Gradierwerk bedurfte allerdings einer ausgetüftelten Wasserschöpftechnik. Da hat es dann auch Spezialisten gebraucht.
Diese Technik wurde aus süddeutschen Salzstädten abgeschaut.

Die Bezeichnung "Herr" gibt es nicht in den Kirchenbüchern der Zeit, die Schreiber arbeiten durchgängig mit den üblichen Standard-Ehrenkürzeln, die für "Herr", "Ehrwürdiger Herr" oder "Hochlöblich" etc.pp. stehen.
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  #9  
Alt 23.08.2020, 22:17
Xylander Xylander ist offline männlich
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Du meinst also sowas wie qualifizierter Spritzer, Meisterspritzer. Das schließe ich nicht aus, würde aber fragen, ob diese Verwendung von Herren- auch bei anderen Berufen gab. Die Herrenmüller zB kommen mir vor wie herrschaftliche Müller.
https://www.google.de/search?tbm=bks...m%C3%BCller%22
https://de.wikipedia.org/wiki/Herrenm%C3%BChle

Nachtrag: es gab einen herrschaftlichen/herzoglichen Anteil an der Saline:
https://books.google.de/books?id=3CF...zungen&f=false
Nach folgendem Bericht war ein Teil der Saline herrschaftlich:
https://books.google.de/books?id=0Vs...zungen&f=false

Hypothese: zwar stammt beides aus späterer Epoche, aber die herrschaftlichen Anteilsrechte dürfte es schon früher gegeben haben. Diesem Teil waren die Herrenspritzer zugeordnet.
Auch in Stadt Allendorf scheint es solche Unterscheidungen im Personal gegeben zu haben:
https://books.google.de/books?id=x40...A4nner&f=false

Viele Grüße
Xylander

Geändert von Xylander (24.08.2020 um 08:54 Uhr) Grund: Nachtrag: herrschaftlicher Anteil
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  #10  
Alt 24.08.2020, 08:58
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viktor viktor ist offline männlich
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Das kommt meinen Vorstellungen nahe, gute Folgerung.
Die Pfänner hatten von Alters her eine Art Monopolstellung und waren sehr wohlhabend. Es war aber klar, dass sich die Sächs-Thür. Fürstenhäuser früher oder später da rein drängten.
Man liest nach dem 30-jährigen Krieg kaum noch etwas von den Pfännern. Die mussten sich mit anderen als "Salzgespan" zusammenschließen.
Es ist halt etwas anderes Gradierwerke zu betreiben als lediglich große Heuhaufen zu benetzen.
Außerdem hatte es erst durch Epidemien und dann durch den 30-jährigen Krieg erhebliche Umwälzungen innerhalb der Bürgerschaft gegeben. Ein erheblicher Anteil der Familien wurde quasi ausgetauscht.
Die Kirchenbücher sind ein fantastischer Spiegel der sozial-ökologischen Verhältnisse und zeigen vor allem die Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs innerhalb einzelner Familien.

Geändert von viktor (24.08.2020 um 09:11 Uhr)
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