#1  
Alt 01.06.2017, 12:44
Pitka Pitka ist offline weiblich
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Standard Taufe mehrere Jahre nach der Geburt?

Hallo,

ich habe mir gestern mal wieder im Fernsehen eine Folge von "Onkel Bräsig" auf NDR angesehen (https://de.wikipedia.org/wiki/Onkel_..._(Fernsehserie). Die Serie spielt Mitte des 19. Jahrhunderts auf mecklenburgischen Gütern.

In der Serie ging es gestern u.a. um folgendes Thema: Ein unverheirateter Pferdeknecht lebte auf einem Gut. Mit einer Magd des Gutes hatte er ein inzwischen 5 Jahre altes Kind. Er bekam von seinem Gutherrn keine Wohnung und damit keine Heiratserlaubnis, weil dieser nur unverheiratete Knechte wollte, die sich ausschließlich um ihre Arbeit und nicht noch um eine Familie kümmern sollten. Fakt war also keine Wohnung, damit keine Heirat möglich und damit auch keine Möglichkeit, sein Kind taufen zu lassen, weil es angeblich kirchliche Vorschriften gab, dass Kinder unverheirateter Paare nicht getauft werden dürfen.

Jetzt frage ich mich natürlich, was war davon Fernsehgeschichte oder gab es tatsächlich solche Vorschriften. Denn wenn jemand bei der Ahnenforschung dieses Kind würde ausfindig machen wollen, würde er es wohl gar nicht finden, aber sicherlich würde er es auch nicht ab 5 Jahre nach der Geburt in Kirchenbüchern suchen. (Obwohl ja jeder von uns schon genügend uneheliche Kinder in Kirchenbüchern gefunden hat.)

Und wenn es solche Vorschriften gab, waren die regional bedingt?

Kennt sich damit jemand aus?

LG Pitka
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  #2  
Alt 01.06.2017, 14:00
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hallo,
mir scheints, Du bist da linker Propaganda aufgesessen. Denn für diese politische Einstellung waren ja der Autor Fritz Reuter, als auch der NDR bekannt.
Ich kann mich noch gut an die linke politische Stimmung der späten 1970er Jahre erinnern. So ein Machwerk passt da gut ins Bild.
Wenn jemand eine entsprechende kirchliche Regelung aus den Archiven ausgraben würde, lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

Natürlich war die Kirche daran interessiert, dass ihre Schäfchen heirateten, und hat dies versucht durchzusetzen. Aber noch wichtiger war der Kirche, dass ihre Schäfchen getauft werden. So gesehen ergibt die Filmhandlung gar keinen Sinn.

Viele Grüsse
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  #3  
Alt 01.06.2017, 14:10
Benutzerbild von Silke Schieske
Silke Schieske Silke Schieske ist offline
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Hallo Pitka,

Also, dass man nur unter "Auflagen" heiraten durfte, stimmt ao im allgemeinen. Hier bezog es sich aber zumeist auf das Einkommen. Man sollte schon 100 Mark ect. vorweisen können um eine Familie ernähren zu können.
Zudem gehe ich davon aus, dass die auf einem Gut arbeitenden Knechte und Mägde so sie nicht aus dem Ort /aus der Umgebung waren, dort ja auch irgendwo untergebracht gewesen sind.

Ich habe auch Vorfahren in Meck-Pom die erst nach einigen Jahren geheiratet haben. Aber da gehe ich mal davon aus, dass diese eher zu jung zum heiraten waren bzw halt kein Geld vorweisen konnten. Aber getauft wurden bei denen jedes Kind, egal ob ehelich oder unehelich

LG Silke
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  #4  
Alt 01.06.2017, 18:22
hiopa
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Ich kann Dir aus meinem Baum sagen dass es in der Tat Faelle gab wo die Kinder erst Jahre nach der Geburt getauft wurden, oft mit einem anderen (juengeren) Kind der Familie zusammen. Die Taufe fand dann nicht eher statt, nicht weils keine Erlaubnis gab sondern weil einfach kein Geld da war die Taufe durchfuehren zu lassen. Und ja es gab wohl auch die Faelle dass ein Arbeitgeber verhinderte dass sein Knecht heiraten kann damit ihm keine wertvolle Arbeitskraft abhanden kam. Das waren dann solche Faelle wo die Kinder alle als unehelich im KiBu standen wobei es sich immer um dasselbe Paar handelte das nicht heiraten konnte (aus Geldmangel oder eben weil keine Erlaubnis erteilt wurde).

OT: Danke uebrigens fuer den Tipp mit Onkel Braesig, kannte ich noch gar nicht

Geändert von hiopa (01.06.2017 um 18:52 Uhr)
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  #5  
Alt 04.06.2017, 06:54
1103ochim 1103ochim ist offline
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Zitat:
Zitat von Anna Sara Weingart Beitrag anzeigen
Hallo,
mir scheints, Du bist da linker Propaganda aufgesessen. Denn für diese politische Einstellung waren ja der Autor Fritz Reuter, als auch der NDR bekannt.
Ich kann mich noch gut an die linke politische Stimmung der späten 1970er Jahre erinnern. So ein Machwerk passt da gut ins Bild.
Wenn jemand eine entsprechende kirchliche Regelung aus den Archiven ausgraben würde, lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

Natürlich war die Kirche daran interessiert, dass ihre Schäfchen heirateten, und hat dies versucht durchzusetzen. Aber noch wichtiger war der Kirche, dass ihre Schäfchen getauft werden. So gesehen ergibt die Filmhandlung gar keinen Sinn.

Viele Grüsse
Was ist das für ein Blödsinn: Fritz Reuter = links, NDR = links??
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Tschüß Achim
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  #6  
Alt 04.06.2017, 15:23
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hallo lieber 1103ochim,
es geht hier um das Thema "Taufe mehrere Jahre nach der Geburt?", welches in einem Fensehfilm auftauchte, und ob dieses der Wahrheit entsprochen haben könnte. Ich habe versucht zu erklären, warum es zu solcher Filmhandlung in dem Film gekommen sein könnte, obwohl dies vermutlich nicht der geschichtlichen Wahrheit zu entsprechen tat. Ich wollte in keiner Weise irgend jemanden oder eine staatliche Institution diskreditieren. Meine Ausdrucksweise mag etwas überspitzt gewesen sein, dafür entschuldige ich mich.
Viele Grüsse
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  #7  
Alt 05.06.2017, 14:57
Pitka Pitka ist offline weiblich
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Hallo,

zunächst einmal sage ich allen Dank für ihre Antworten. Und bitte nicht streiten, denn alle Informationen sind wertvoll und verhelfen zum Weiterdenken.

Ich habe mich auch selbst versucht weiter zu informieren und festgestellt, dieses Thema ein seeeehr weites Feld ist und man im i-net förmlich erschlagen wird mit Informationen dazu. Allein das Kirchenrecht damaliger Zeiten mit allen verschiedenen regionalen Unterschieden ist zumindest für mich gar nicht zu bewältigen.

Ich habe mir dann mal z. B. dieses hier angesehen:
https://books.google.de/books?id=6dt...0taufe&f=false .

Eigentlich geht daraus aber nur hervor, dass für die Taufe von unehelichen Kindern eine erhöhte Gebühr zu zahlen war. Es ist aber scheinbar nicht unmöglich gewesen, Kinder von unverheirateten Eltern taufen lassen zu können.

Meine Frage sehe ich also als erledigt an und bedanke mich nochmals für Eure Antworten.

LG Pitka
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Geändert von Pitka (05.06.2017 um 14:59 Uhr)
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