#1  
Alt 09.01.2014, 23:07
Florian Florian ist offline
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Standard Familienhistorische Gespräche

Wer von euch hat Erfahrungen mit durchgeführten familienhistorischen Gesprächen?
Wie war euer bisheriges Vorgehen, wie wurden diese Gespräche aufgebaut?
Was würdet ihr durch gemachte Erfahrungen verändern bei solchen Gesprächen?

Gibt es gute Referenzen für gute Interviews? Einen groben Leitfaden für Fragen und Themen?
Wie sollte man sich vorbereiten, welche Personen sollten Sprechen? Ein Gast oder auch zwei Gäste für das Gespräch?

Bisher hatte ich die Vorstellung das man mit einem biografisch-chronologischen Gespräch die Geschichte eines Menschen festzuhalten.

Ich plane diese Gespräche zu filmen. Wer hat damit bereits Erfahrungen gesammelt?

Ich bin gespannt auf eure Beiträge.

Herzliche Grüße
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  #2  
Alt 09.01.2014, 23:13
Benutzerbild von jacq
jacq jacq ist offline männlich
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Moin Florian,

habe selber mit "entfernt" Verwandten keine Erfahrungen, das steht mir die nächste Zeit 2mal bevor.
Aber ein kurzer Gedanke: Filmen fänd ich persönlich ein wenig zuviel des Guten, das könnte verunsichern und hemmen. Bei Tante, Oma und Opa in netter Runde könnte das vielleicht noch gehen, sonst würde ich das Gespräch lieber eher unauffällig im O-Ton auf Band aufzeichnen. So kannst du dich auf das Gespräch konzentrieren, musst ggf. nicht hektisch mitschreiben, sondern in Ruhe Zuhause.

Gruß,
jacq
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Viele Grüße,
jacq

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  #3  
Alt 10.01.2014, 01:06
Benutzerbild von Jürgen P.
Jürgen P. Jürgen P. ist offline männlich
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Hallo Florian,
den Rat schlechthin wird es nicht geben.

Was jacq sagte kann ich grundsätzlich bestätigen. Keinesfalls filmen wollen oder beim ersten Gespräch aufzeichnen wollen.
Im vergangenen Jahr hatte ich erstmals direkten Kontakt mit mir bislang unbekannten Verwandten. In 3 Fällen war ich zu Besuch bei diesen. Vorher gab es Telefonate.
Mitgenommen habe ich meinen Laptop, Digitalkamera und Kopien von Dokumenten die diese Linie betrafen und einen Zettel mit Fragen. Nach der ersten "Aufwärmphase" ergab sich ein munderes Gespräch und über Stichworte, auch zu Zeitereignissen, Namen, kamen die Gesprächspartner ins erzählen. Im Frühjahr werde ich die Gespräche fortsetzten.

Ein Cousin gab mir nach einem Treffen eine CD mit, "...dir vertraue ich und weiß, dass das in guten Händen ist". Sein Vater, *1921/+2006 wurde oft von der Familie, Bekannten und Gemeindemitgliedern nach Ereignissen und Lebensberichten gefragt. An seinem 80. Geburtstag hatte er seinem Enkel zugesagt, über dies zu erzählen, der Enkel darf es aufnehmen. 2004 hat er das Versprechen umgesetzt. Es ist ein wunderbares Dokument der Familiengeschichte und beinhaltet ebenso ergreifende Berichte seiner Zeit als Soldat.

Im Herbst hatte ich meine Geschwister, Cousin/Cousinen, Tanten und Onkel der mütterlichen Linie zu einem Treffen rund um den Kirchturm unserer Vorfahren eingeladen. 2014 wird das Treffen nach "unmissverständlichem" Wunsch auf Fortsetzung um den Kreis der väterlichen Verwandten erweitert.

Von Hamburg bis Oberbayern werden sich voraussichtlich jetzt 5 Generationen treffen.

Baue Vertrauen auf und nimm dir Zeit zuzuhören. Es ist gut und immer noch normal! einen zu schätzen der aktiv/passiv zuhören kann.

Gruß Jürgen
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"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" (I.Kant)
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  #4  
Alt 11.01.2014, 16:50
gki gki ist offline
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Zitat:
Zitat von jacq Beitrag anzeigen
, sonst würde ich das Gespräch lieber eher unauffällig im O-Ton auf Band aufzeichnen. So kannst du dich auf das Gespräch konzentrieren, musst ggf. nicht hektisch mitschreiben, sondern in Ruhe Zuhause.
Hallo jacq,

der Vorschlag ist gut, aber man muß daran denken, sich die Aufzeichnung genehmigen zu lassen.
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Gruß
gki
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  #5  
Alt 15.01.2014, 13:19
paulberg paulberg ist offline männlich
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Hallo Florian,

Historiker sprechen wohl von "oral history" (http://de.wikipedia.org/wiki/Oral_History). Vielleicht findest Du unter diesem Schlagwort etwas hilfreiches zur Strukturierung und Moderation. (Die Literaturliste des Wikipedia-Artikels führt einen "kleinen Ratgeber" auf.)

Viel Erfolg
paulberg
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  #6  
Alt 15.01.2014, 22:09
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Brigitte Bernstein Brigitte Bernstein ist offline weiblich
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Hallo Florian!
Wie ich schon an anderer Stelle sagte fange ich selber von meiner Kindheit an und zeige Fotos, in den meisten Fällen fangen die Omas, Opas oder Tanten dann ganz von selbst an aus ihrer Kindheit und Jugend zu berichten, und sind ganz stolz wenn sie ihre Fotos und Erinnerungen teilen können. Filmen würde ich nicht. Auch das Fotografieren würde ich mit Vorsicht an gehen. Meine Mutter möchte nicht mehr geknipst werden, sie sagt sie sieht zu alt aus. Ich habe immer einen Schreibblock dabei und mache mir Stichpunkte. Damit hatte ich bisher immer gute Erfolge.
Schöne Grüße
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Suche im Raum Trautenau, Parschnitz, Alt Rognitz, Deutsch Prausnitz, Bausnitz und Lampersdorf. Meine Namen Rasch, Staude, Reichelt, Letzel,
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  #7  
Alt 17.01.2014, 19:10
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Klootschießer Klootschießer ist offline männlich
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Ich stelle zumeist den Kontakt zu mir fremden Verwandten zuerst per Telefon her. Dabei stelle ich mich vor und erkläre genau die Art der Verwandtschaft. Dann biete ich an meine bisherigen Forschungsergebnisse an und schicke die per Post zu. Dabei versuche ich immer Fotos und Urkundenkopien mitzuschicken, damit etwas Greifbares für den Verwandten dabei rausspringt. Ich bitte dabei auch um einen Termin für ein Interview oder um das Ausfüllen eines schriftlichen Interviews.

Beim Interview selber lege ich neben den typischen genealogischen Daten Wert auf folgendes:

-Wesen als Kurzbeschreibung (welchen Charakter hatte die Person)
-Welche Ehrenämter oder politischen Ämter hatte die Person?
-Gibt es besondere Ereignisse im Leben der Person?
-Wie war seine Beziehung zum Rest der Familie, eventuell zu den eigenen Ahnen?
-Gibt es Aufzeichnungen aus der Hand des Ahnen? (Ich habe auf dem Wege schon Einsicht in alte Adressbücher, Notizbücher, ein Tagebuch, Schulhefte, Urkunden, Berichtshefte aus einer Berufsausbildung von 1950 oder zum Beispiel alte Briefe bekommen)

Wichtig ist mir immer, die Leute reden zu lassen, bei älteren Interviewpartnern ist es oft so, daß sie auch erzählen wollen. Auch wenn es dann eine ganze Weile mal um nebensächliche Dinge geht.

Baut sich eine Vertraulichkeit auf und kommt der Wunsch auf die Gespräche zu vertiefen, dann denke ich kann man mit dem Vorschlag kommen das Ganze zu filmen, vorher würde ich es nicht machen.
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  #8  
Alt 17.01.2014, 20:22
Apex Apex ist offline männlich
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Hallo,

man darf nicht vergessen, dass wenn die Person, mit welcher man dieses Gespräch beabsichtigt zu führen, seit sehr langer Zeit keinen Bezug zur eigenen Verwandtschaft mehr hat, oder die zu der Befragung stehenden Person um "hundert Ecken" mit einem verwandt ist, letztlich der komplett fehlende Bezug vorhanden ist und man aus einem für die Genealogie relevanten Gespräch kein Verhör macht.

Ich beschränke mich daher auf das Wesentliche - die Zeit wird zeigen, ob ernsthaftes Interesse zur Fortführung besteht.

Viele Kontaktversuche in diese Richtung habe ich nicht unternommen, man kann es an einer Hand abzählen. Doch die Gespräche, welche ich geführt habe, haben ihr Ziel erreicht. Meine Kontaktversuche wurden entweder Mithilfe des Kirchlichen Suchdienstes vollzogen oder durch eigene Recherchen, ganz klassich mit einem freundlichen Brief in welchem ich meine Person u. Anliegen vorgestellt habe, und einen Briefumschlag mit Freimarke beigefügt habe.

Langfristig gesehen hat sich aber nichts an der Beziehung geändert; ich musste die Erfahrung machen, dass es bei einer einmaligen Unterhaltung blieb, was aber keine soziale Aspekte hatte, sondern man einfach nicht wusse, wo man denjenigen "hinpackt".

Trotzallem finde ich sowas bestrebenswert und löblich.

Gruß
Dominik
__________________
Immer an Informationen zu
Gau, Ostpreußen im Kirchspiel Kumehnen
Bursczinski, Ostpreußen in Elbing, Altstadt (Mohrungen)
Bluhm, Ostpreußen, im Kirchspiel Wargen und Königsberg i.Pr.
interessiert. :-)

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  #9  
Alt 28.08.2015, 21:04
Wolfg. G. Fischer Wolfg. G. Fischer ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Jürgen P. Beitrag anzeigen
Ein Cousin gab mir nach einem Treffen eine CD mit, "...dir vertraue ich und weiß, dass das in guten Händen ist". Sein Vater, * 1921, + 2006 wurde oft von der Familie, Bekannten und Gemeindemitgliedern nach Ereignissen und Lebensberichten gefragt. An seinem 80. Geburtstag hatte er seinem Enkel zugesagt, über dies zu erzählen, der Enkel darf es aufnehmen. 2004 hat er das Versprechen umgesetzt. Es ist ein wunderbares Dokument der Familiengeschichte und beinhaltet ebenso ergreifende Berichte seiner Zeit als Soldat.
Hallo Jürgen,

so etwas ist toll.

Ich selbst habe noch Aufzeichnungen, die ich 1979 während der Gespräche mit meiner Großmutter Christine Fischer gemacht habe.

Meine andere Großmutter konnte ich anschließend animieren, selbst ihre Erinnerungen aufzuschreiben. So besitze ich heute fünf dicke Schulhefte mit Erinnerungen und Tagebucheinträgen von ihr.

Auch von anderen Leuten im Dorf habe ich Gespräche mitgeschrieben, z.B. vom Schuhmacher und vom ehemaligen Lehrer.

Später habe ich dann Tonbandaufnahmen gemacht, aber es ist sehr mühsam, diese zu transkribieren.

Mit besten Grüßen
Wolfgang
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