#11  
Alt 30.04.2006, 16:52
Krämmel Krämmel ist offline
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Hallo Marlies,

ich sehe die ganze Sache bzgl. Todesursache "Altersschwäche" etwas weniger medizinisch. Wir denken heute in Fragen der Gesundheit mit dem Vokabular eines Arztes. Alles muss bis ins Detail erklärt werden. Aber die Tante meines Vaters, die vor kurzem 93jährig an multiplem Organversagen starb, starb eben tatsächlich an Altersschwäche. Irgendwann macht der Körper einfach nicht mehr mit. Heute kann das dank der modernen Medizin sehr lange dauern - früher war das anders.

Bedenken wir folgendes: Heute leben Rentner nach dem Eintritt in den Ruhestand durchschnittlich noch knapp 20 Jahre. Als die Rentenversicherung unter Bismark eingeführt wurde, erlebten die Menschen die Phase des Rentnerdaseins durchschnittlich nur 2 Jahre. Sie hatten eben nicht die medizinische Versorgung wie wir heute. Sie arbeiteten wesentlich länger und härter als wir heute und waren daher tatsächlich viel früher "ausgezehrt". Auch das sollte berücksichtigt werden, wenn die Todesursache "Altersschwäche" bei einer vor 100 Jahren 60jährig verstorbenen Person im Totenschein steht.

Gleichzeitig würde ich mir aber auch die Frage stellen: "Wie sieht die gesundheitliche Situation meiner heutigen Familie (Geschwister, Cousins, Eltern, Onkel/Tanten) aus? Welche Krankeheiten treten gehäuft auf? Zeigen sich erste Symptome oft in einem bestimmten Lebensabschnitt? Hilfreich kann es dabei sein, den 7-Jahres-Rhythmus zu berücksichtigen. Alle sieben Jahre tritt der Mensch biologisch gesehen in eine neue Lebensphase. Und diese Phasen lassen sich gut als Raster nehmen, wenn man Vergleiche erstellt, wann welche Erkrankung bei Menschen einer Familie/Sippe auftritt. So hat sich z. B. der Ausbruch eine Hauterkrankung, die sowohl mein Vater, als auch mehrere Cousins von ihm haben, bei meinem Bruder und mir im Vergleich zu meinem Vater um eine Phase nach hinten geschoben.

Gruß, Krämmel
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  #12  
Alt 30.04.2006, 18:14
Marlies
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Standard RE: Todesursache: Altersschwäche

Zitat:
Original von Carlton
http://www.andreas-karstens.de/Topliste/Topliste.htm
Hier sind viele alte Krankheitsbilder und Berufe erklärt. Vielleicht nutzt diese Adresse ja dem einen oder anderen.
Hallo Carlton,

dankeschön, diese Seite ist sehr interessant.

Viele Grüße
Marlies

P.S. für die Todesursache Donnerschlag gibt es auch dort keine Erklärung, kann mich vielleicht jemand anderes aufklären?
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  #13  
Alt 30.04.2006, 18:24
Marlies
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Zitat:
Original von Krämmel
Sie hatten eben nicht die medizinische Versorgung wie wir heute. Sie arbeiteten wesentlich länger und härter als wir heute und waren daher tatsächlich viel früher "ausgezehrt". Auch das sollte berücksichtigt werden, wenn die Todesursache "Altersschwäche" bei einer vor 100 Jahren 60jährig verstorbenen Person im Totenschein steht.
Hallo Krämmel,

ich denke genauso wie Du, das Leben als solches war ganz sicher um einiges härter als heute.

Was mich zu meiner Frage veranlasst hatte, war ja, ob andere (und somit auch andere Gegenden) auch diese Häufung haben. Dann könnte man evtl. Rückschlüsse ziehen: "Landleben" , also Bauern, Tagelöhner gegen "Stadtleben" also Kaufleute, Advokaten usw.

Viele Grüße
Marlies
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  #14  
Alt 30.04.2006, 19:50
Carlton
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Standard RE: Todesursache: Altersschwäche

Zitat:
Ein Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. "Wie ein Blitz aus heiterem Himmel" trifft der Schlaganfall einen Menschen fast immer unerwartet.
Hi Marlies,
ich hatte schon mal irgendetwas in der Art gehört. Wie wäre es mit dem Zitat? Dann würde es sich um einen Schlaganfall handeln. Wäre auch einleuchtend, oder? Aber dazu steht bestimmt noch mehr im Internet!

Gruß,
Carlton
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  #15  
Alt 05.05.2006, 01:10
menestrel menestrel ist offline männlich
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Hey Marllies, Freunde,
ich wollte noch anfügen:
Wenn man viele Personen mehrerer Jahrhunderte gespeichert hat, oft auch deren Todesursache bekannt wurde, ist das ein "Fressen" für die medizinnische Historik. Wir können auch als Laie dann erkennen, dass besondere Häufungen ihre Ursache weniger im "harten Leben" = hart arbeiten, alleine waren, sondern auch die politischen, gesellschaftlichen, sozialen wie hygienischen Zustände zu berücksichtigen wären. Und damit einher ging auch das seinerzeitige Wissen von Ärzten oder solchen, die sich dafür hielten. Ein "Schlagfluss" konnte man damals wohl noch kaum feststellen; es genügte, wenn jemand sagte, er fiel plötzlich tot um. Starb einer friedlich im Bett und wurde erst morgens gefunden, so war das "Herzversagen". Ob dafür evtl. auch ein anderes medizinisches Leiden verantwortlich war, wußten die alten Medizinmänner wohl nicht.
Erinnern wir uns aber auch: Es gab viele Pestzeiten, Kriegselend durch marodierende, verwahrloste Soldateska, es gab Schlechtwetterperioden mit Ernteausfällen, es gab aber auch mißliche, harte Gutsherrnschaften, die nichts abgaben und wenig für die Untergehörigen taten. Hunger, Verwahrlosung, tiefe oder gespielte Unterwürfigkeit, um doch noch etwas abzubekommen - ja, Zustände, die ich mir gut vorstellen kann. Manches gibt es ja leider auch heute noch!
Gruß
bongolit
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  #16  
Alt 03.02.2007, 15:18
Benutzerbild von Hintiberi
Hintiberi Hintiberi ist offline männlich
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Standard Todesursache Altersschwäche

Todesursachen "älterer" Personen in meinem Stammbaum:


3xUroma Catharina geb. Pielsticker, + 1854 im Alter von 61 Jahren an Wassersucht.

3xUropa Anton Schulte, + 1872 im Alter von 60 Jahren an Brustfieber.

3xUropa Joseph Wieneke, + 1869 im Alter von 66 Jahren an Altersschwäche.

4xUropa Johann Meyer, + 1854 im Alter von 71 Jahren an Altersschwäche.

4xUropa Gerhard Lüicker, + 1809 im Alter von etwa 60 Jahren an einer Brustkrankheit.

4xUropa Johann Litz, + 1821 im Alter von etwa 70 Jahren an Altersschwäche.

4xUroma Maria Catharina Litz geb. Döbber, + 1823 im Alter von etwa 65 Jahren an Entkräftung.

4xUropa Anton Schulte, + 1823 im Alter von 59 Jahren an den Folgen eines Schlagflusses.

4xUroma Antonetta geb. Löbbecke, + 1851 im Alter von 72 Jahren an Altersschwäche.

4xUropa Pankraz Kattenbrack, + 1858 im Alter von 76 Jahren, etrunken.

5xUropa Hebricus Meyer, + 1806 im Alter von 66 Jahren an Engbrüstigkeit.

5xUroma Catharina geb. Rubarth, + 1820 im Alter von 74 Jahren an Schwäche aus Alterthum.

5xUropa Gerhard Koke, + 1808 im Alter von ca. 70 Jahren an einer Brustkrankheit.

Angela Maria, 2. Frau meines 5xUropas, + 1825 im Alter von 76 Jahren an Entkräftung und Schwäche.

5xUropa Thomas Brand, + 1820 im Alter von ca. 75 Jahren an Alter und Schwäche.

5xUropa Franz Löbbecke, + 1820 im Alter von etwa 80 Jahren an den Folgen eines Bruchschadens und schwacher Brust.

(wahrsch.) 6xUropa Berndt Kattenbrack, + 1778, Ursache: senio confectus.



In vielen, besd. älteren Kirchenbucheinträgen steht allerdings gar keine Todesursache dabei...

Viele Grüße
-Jens
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  #17  
Alt 03.02.2007, 17:24
Graupelz Graupelz ist offline männlich
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Standard RE: Todesursache Altersschwäche

Hallo,

wie hätte ein Mediziener (sagen wir mal um 1800) auch gewisse Krankheiten feststellen können bzw. behandeln sollen?

Man denke nur an die Medizinische Ausrüstung einer heutigen Praxis und stellt sich das mal ohne elektrischen Strom bzw. Batterien vor. Kein Notarzt, kein Telefon, Handy, kein Auto.

Man nehme noch dazu: Keine Wasseranalysen des Trinkwassers und bleihaltige Wasserleitungen, keine Impfungen und und und.

Eine "Beschreibung" der Todusursache erfolgte in der Regel an Hand der Symptome der letzten Lebenstage bzw. das was dem Betrachter der Leiche "in das Auge fiel". Die Ausbildung aber auch "Erfahrung" flossen in diese Berichte mit ein.

Die "medizinische Grundbildung" bzw. das Verständnis der Hinterbliebenen dürfte sehr wohl auch eine Rolle gespielt haben.

- Altersdiabetis, Krebs, Leukämie, "schlechte" Blutwerte...

- "Insulin" taucht als Begriff erst vor dem I. WK auf
- "Röntgen" erhielt 1901 den Nobelpreis
- "Ultraschall" wurde in der Medizin erstmals um 1942 eingesetzt
- "Leukämie" wurde erstmals um 1845 beschrieben
- 1899 wurde "Aspirin" zum Patent angemeldet
- um 1880 wird erst der Erreger von "Typhus" entdeckt
- "Salvarsan" 1910, "Penicillin" um 1930
- "MRT" Mitte der 1970er entwickelt
- "CT" 1979 Nobelpreis

Es gibt noch mehrere dutzende Folgeerkrankungen die damals noch nicht bekannt waren.

Der Pfarrer wurde meist zur Krankensalbung (fälschlicherweise gerne als "letzte Ölung" bezeichnet) gerufen.

Er (Arzt oder Pfarrer) beschrieb also so gut er konnte die Todesursache nach den letzten Lebenstagen bzw. der Leichenschau.
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  #18  
Alt 06.02.2007, 00:49
menestrel menestrel ist offline männlich
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Standard RE: Todesursache Altersschwäche

Moin Graupelz,
wobei man auch sagen muß, soweit ich das in meiner Pastorenforschung M-V jetzt sehe, dass vor etwa 1700 allein der Pastor "seine" augenscheinliche Todesursache in das StR eingetragen hatte. Die betroffenen Angehörigen kamen in das Pfarrhaus, sagten, der oder die ist verstorben, der Pastor marschierte los, sah sich das an und erledigte die Formalien zur Bestattung.
Nur in den größeren Dörfern oder Städten, wo ein Medizinpraktikus oder Physikus vorhanden war, konnte der auch vorher schon ein Attest ausgestellt haben, die dem zuständigen Pastor dann vorgelegt wurde.
Und auch damals spielte alles eine Rolle: Der eine Pastor war sehr volksnah und
kümmerte sich auch um die Einzelpersonen, ein anderer eben nicht. Zumal die Entfernungen damals zwischen den einzelnen eingemeindeten Pfarrdörfern oder Bauernstellen/katenstellen ja zu Fuß oder mit dem Gaul bewältigt werden mußten, bei jedem Wetter. Nicht jeder Pastor hatte aber ein Pferd, mußte sich hinbringen lassen.
Jau, war alles ein schwierige Sache damals, oder?
Gruß
bongolit
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  #19  
Alt 06.02.2007, 09:49
BenediktB BenediktB ist offline männlich
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Standard RE: Todesursache Altersschwäche

Zitat:
Original von Graupelz
Der Pfarrer wurde meist zur Krankensalbung (fälschlicherweise gerne als "letzte Ölung" bezeichnet) gerufen.

Er (Arzt oder Pfarrer) beschrieb also so gut er konnte die Todesursache nach den letzten Lebenstagen bzw. der Leichenschau.
Meistens verzichtete man scheinbar ohnehin auf einen Arzt o.ä. Ich habe dutzende Male in Kirchenbüchern bei der Todesursache stehen "Apoplexia nervosa/Schagfluß/Schleimfieber/.... ; ohne Arzt". Oft machte man sich wohl (v.a. in ländlichen Gebieten) gar nicht die Mühe einen Arzt von der nächstgrößeren Ortschaft herzuholen. Und der Pfarrer konnte ohnehin meist nur die Symptome beschreiben (z.B. Schleimfieber) als die wirkliche Krankheit ("Schleimfieber" kann TBC, Lungenentzündung oder sonstwas gewesen sein).
__________________
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  #20  
Alt 06.02.2007, 10:10
Marlies
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Standard RE: Todesursache Altersschwäche

Zitat:
Original von BenediktB

Meistens verzichtete man scheinbar ohnehin auf einen Arzt
Hallo Benedikt,

wer hätte sich einen Arzt leisten können? Und Ärzte gab es damals ja auch nicht so viele, oftmals waren es Tagesreisen bis zum nächsten Arzt. Und wenn der dann gerade unterwegs zu einem anderen Patienten war, dauerte es schon mal 2 oder 3 Tage.

Ich habe einen einzigen Eintrag, bei dem eindeutig ein Arzt die Todesursache festgestellt hat, kann aber auch nachweisen, dass diese Familie ein bißchen mehr hatte als andere in diesem Ort.

Gruß
Marlies
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