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  #11  
Alt 20.04.2021, 12:57
MarthaLU MarthaLU ist offline
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Guten Morgen, ui, so viele spannende Antworten, Danke!

Ja, tatsächlich geht es in dieser Sache um viele Einzelfragen und einen großen Kontext. Der Erlanger Matrikeleintrag ist halt auch ein Problem rund um die Frage der Identitäten. Aber: ich glaube jetzt, eine Immatrikulation im Kindesalter könnte die Lösung sein. Dass es das gab, wusste ich überhaupt nicht. Der J. L.J. Gerstenberg aus Buttstädt hatte ja einen Onkel namens Johann Paul Reinhard, der dort in Erlangen Prof. war: https://books.google.de/books?id=bS5...erg%22&f=false
Also das wäre wohl möglich, dass der seinem Neffen früh den Studienplatz organisiert hat. Die Uni Erlangen hat aber keine weiteren Unterlagen mehr, also sichere Klärung unmöglich. Dennoch, das sehe ich jetzt als Lösung und habe ein Problem weniger, vielen Dank.

Geändert von MarthaLU (20.04.2021 um 12:59 Uhr)
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  #12  
Alt 20.04.2021, 13:28
MarthaLU MarthaLU ist offline
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Fortsetzung, die Frage der Identitäten und Namen:

Ja, ganz sicher, ob Gerstenberger, Gerstenberg oder Gerstenbergk, das an sich dürfte eher belanglos sein, glaube ich auch. Schwieriger wird es aber doch mit dem v., das nach 1780 hinzukam. Interessant ist, dass da auch die Mutter auf einmal als Johanne Rosine v. Gerstenbergk geschrieben wurde, vorher wurde sie bezeichnet als Witwe des Gerichtsdirektors Gerstenberg. Ihr Name taucht nämlich mit auf in den Akten des Geheimen Consiliums Weimar.
Eine Nobilitierung gab es nicht. Unter der Voraussetzung, dass ich richtig liege, dieser Mann sei mein Vorfahr gewesen, tippe ich ziemlich deutlich auf eine Eigenangabe, die schlicht übernommen wurde in gutem Glauben.Was meine lieben Vorfahren perfektioniert hatten, war Dreistigkeit, man musste nur verwegen genug sein. Heinrich v. Gerstenbergk hat seine Schillerfälschungen viele Jahre nicht unter dem Ladentisch an Zwischenhändler verkauft, sondern an die bekanntesten Persönlichkeiten Weimars, an Bibliotheksdirektoren und sogar an Schillers Tochter.


Nebenbei dies: Auch Friedrich Müller v. Gerstenbergk war eine nicht hundertprozentig integre Figur. Durch die Adoption wurde er nicht adlig, sondern erst einige Jahre danach durch Nobilitierung. Dabei berief er sich alllerdings darauf, direkter Nachfahre des Markus Gerstenberg zu sein, was fragwürdig bleibt. Ganz Weimar wusste damals von der Fraglichkeit dieser Adelserhebung, Müller v. Gerstenbergk hatte z. B. lange Jahre keinen Zugang zum Hof. Diese Familie existiert heute noch, und mir liegt ein Aufsatz eines Mitglieds aus dem 20 Jahrhundert vor, wo die unrechtmäßige Nobilitierung offen eingeräumt wird.
Der Vorgang ist für meine Suche von großer Bedeutung, da meine v. Gerstenbergs, die Fälscherfamilie, echte Nachfahren der Adelsfamilie waren, ebenfalls in Weimar lebten und sich immer wieder äußerten, man habe sie um Titel und Besitz betrogen. Ich glaube nicht mehr, dass sie kriminell wurden aus Geldnot, sondern dass diese Kränkung entscheidend war. Müller v. Gerstenbergk verwendete mit Erlaubnis das alte gerstenbergische Familienwappen, meine Vorfahren wohnten am selben Ort, guckten dem Treiben zu und haben ganz gewiss gewusst, dass die Adelserhebung nicht rechtens war. Wobei, keine Frage, sie selber waren zu Recht nicht mehr adlig nach einer unehelichen Geburt.
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  #13  
Alt 20.04.2021, 14:26
MarthaLU MarthaLU ist offline
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Zu den Identitäten:
Hier mal die 3 Lebensläufe, die ich vergleiche:

A = Mein Ur-Ur-Ur-Urgroßvater George Heinrich v. Gerstenberg, Leutnant von Anhalt-Bernburg, also preußischer Offizier( 1747 Erfurt -?). Im Jahr 1772 ist er von einem Urlaub nicht zurückgekehrt zu seiner Einheit und seitdem verschollen. Und im Februar 1772 wurde sein unehelicher Sohn, ohne dass der Kindsvater anwesend war, auf den Namen v. Gerstenberg getauft. Dieser uneheliche Sohn wurde 1814 der Vater des Schillerfälschers.

B= Johann Laurentius Julius Gerstenberger(1748 Buttstädt-1813?), Vater war der Weimarische Jurist Christoph Julius Gerstenberg(er), Mutter die Tohter des Buttstädter Superintendenten Lorenz Reinhard. Sicher ist, er war Artillerist in Weimar bis etwa 1780.

C= Johann Lorenz Julius v. Gerstenbergk, (1749 Buttstädt? - 1813 Jena),Prof. für Mathematik und Kriegskunst in Jena.

Allgemein wird angenommen, B und C seien eine Person. Und ich glaube, durch viele Indizien gestützt, A und C seien eine Person. Dafür sprechen z. B. größte Ungereimtheiten, was die militärischen Fähigkeiten angeht. Und der B wurde um 1780 pötzlich ein verhaltensauffälliger Mann, ständige Schulden, fehlte bei den Vorlesungen, Gewalttätigkeiten, uneheliche Kinder, Vergewaltigung, wie ein Bettler gekleidet, oft mit einem Strumpf als Schal um den Hals gewickelt. Er muss mehr als kurios gewesen sein. Aber auch Tätigkeit als Kupferstecher und begabter Maler, technisch bedeutsame Erfindungen, viele Bücher geschrieben, ließ die Studenten im Unterricht exercieren. Wirklich nichts will zu einem Juristensohn und Pfarrrers-Enkel passen, und bis 1780 war er nicht so, wie die Einträge im Geheimen Consilium Weimar beweisen

Soweit für jetzt, und danke für die Hilfe!
LG Martha

Geändert von MarthaLU (21.04.2021 um 15:44 Uhr)
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  #14  
Alt 21.04.2021, 11:38
MarthaLU MarthaLU ist offline
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Zitat:
Zitat von Basil Beitrag anzeigen
Moin,

eine frühe Immatrikulation war hier schon mal Thema. Vielleicht erhellt das die Sache in Erlangen.

https://forum.ahnenforschung.net/sho...d.php?t=196972
https://forum.ahnenforschung.net/sho...d.php?t=186110

Grüße
Basil

Manches geht langsam in Corona, und manchmal gehts schnell. Ich erfuhr vorhin, dass im Falle Gerstenberg nichts mehr klärbar ist in Erlangen. Aber es gab dort Mitte des 18.Jahrhunderts einen Professor, der seinen Sohn sogar im Kleinkindalter eingeschrieben hat.

Da der Buttstädter Gerstenberg einen Onkel hatte, der Professor war in Erlangen, sehe ich meine Frage jetzt klar als gelöst. Es ist also dasselbe Kind, das 1766 den Schulabschluss machte und zur Uni Jena ging. Basil, herzlichen Dank für den wertvollen Hinweis!

Martha
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