#101  
Alt 21.10.2020, 15:04
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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Ich habe nun herausgefunden, dass der Theodor Müller nach seiner Verabschiedung am 30.7.1848 in Berlin die Marie Dorothee Friederice Melms geheiratet hat. Sie ist im Jahr 1809 in Stralsund geboren.
Ihr Vater war der Kaufmann Friedrich Adolph Melms.
Sie hatten auch einen gemeinsamen Sohn namens Hermann Heinrich Theodor Müller, der am 18.5.1848 in Berlin geboren worden ist. Berlin passt auch sehr gut, da viele Kinder des Julius Müller auch nach Berlin umgezogen sind.

Taufpaten des Hermann Heinrich Theodor Müller:

1. Herr von Westrin
2. Herr Fiscot dit Sanssin
3. Demoiselle Ditthaner

Der Theodor war bereits nach seiner Verabschiedung im 1848 im Alter von 39 Jahren Partikulier. Er hatte also nach seiner Abschiedung keinen weiteren Beruf ausgeführt, da er so vermögend war, dass er von seinen eigenen Ersparnissen den Rest seines Lebens leben konnte.
Auch sein Vater Conrad Friedrich war bereits im Alter von 62 Jahren Rentier und hat ebenfalls von seinen eigenen Ersparnissen gelebt.
Und der Conrad Friedrich Müller hat noch im Jahr 1848 in Berlin gewohnt und ist also erst später als Rentner nach Russland gegangen.

Er muss spätestens im Jahr 1858 nach Russland ausgewandert sein, da er in diesem Jahr in Iwanowka die Nottaufe bei seiner Enkelin durchgeführt hatte.

Nur eigentlich muss das ja dann heißen, dass der Conrad Friedrich einen Heimatschein hätte beantragen müssen. Der Reisepass ist maximal 10 Jahre gültig und dann muss man einen Heimatschein beantragen. Allerdings könnte es sein, dass er bereits vor diesen 10 Jahren gestorben ist und zwischen 1864-1870 ist eine Lücke bei den Heimatscheinen.

Die Einträge aus dem Kirchenbuch befinden sich im Anhang.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Heirat-1848.jpg (275,7 KB, 3x aufgerufen)
Dateityp: jpg Geburt-1848.jpg (270,1 KB, 2x aufgerufen)
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Dauersuche:

Gutspächter Conrad Friedrich Moritz Müller, * 12.9.1786 Demmin
Sophia Carolina Johanna Behm, * 1.4.1783 Bergen auf Rügen
Ökonom, Oberverwalter August Gustav Julius Müller, * 26.9.1819 Bergen auf Rügen, + nach 1897 Studenok Gouvernement Charkow
Ottilie Charlotte Heroldt, * 17.5.1825 Riga, + 19.3.1870 Bely Kolodez Gouvernement Charkow
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Geändert von Balduin1297 (21.10.2020 um 21:06 Uhr)
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  #102  
Alt 21.10.2020, 18:04
Juergen Juergen ist offline
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Hallo Balduin,

ich habe mal "nur so" im Adressbuch Berlin auf das Jahr 1849 nach der Adresse Rosenthaler Str. 66 nach dem MÜLLER gesucht.

Dort wird ein A. MÜLLER, Prem. Lieutn. A.D. genannt.
Entweder ist das ein Fehler im Buch, da Dein genannter ja Christan Friedrich Theodor MÜLLER hieß, oder er wohnte dann unter anderer Adresse.

Im Namens-Teil 1. Spalte --> https://digital.zlb.de/viewer/image/34111722_1849/349/
und im Strassenverzeichnis ohne Kürzel des Rufnamens:
--> https://digital.zlb.de/viewer/image/34111722_1849/688/

Die Adressbücher wurden, m.M. nach immer nachträglich gedruckt, nach Quellen des Vorjahres.

Gruß Juergen

Geändert von Juergen (21.10.2020 um 18:07 Uhr)
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  #103  
Alt 21.10.2020, 20:15
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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Hallo,
vielen Dank. Das ist der falsche Theodor Müller, da er schon im Jahr 1846 verabschiedet wurde und seitdem Partikulier war.
Ich habe jetzt die Adressbücher von Berlin nach dem Rentier Conrad Friedrich durchsucht. Der Conrad Friedrich hat ab dem Jahr 1835 in der Gipsstraße, ab dem Jahr 1838 in der Kaiserstraße und ab dem Jahr 1842 in der Schönhäuser Alle gewohnt.
Gerade die Kaiserstraße passt sehr gut, da sie nach Kaiser Alexander I. von Russland benannt wurde.

1835:

C.F.: Gipsstraße 8. 9.

1838:

C.F.: Kaiserstraße 29 E

1842:

C.F.: Schönhäuser Alle 163 E Prenzlauer Berg

1847:

C., sen.: Schützenstraße 10 E
C.F.: Schönhäuser Alle 163 E Prenzlauer Berg

1848:

C., sen.: Schützenstraße 10 E
C.F.: Schönhäuser Alle 163 E Prenzlauer Berg

1849:

C., sen.: Schützenstraße 10 E
C.F.: Schönhäuser Alle 163 E Prenzlauer Berg
C.: Neustadt Kirchstraße 4

1851:

C.F.: Dessauerstraße 17 E
C.: Neustadt Kirchstraße 4
C.: Schönhäuser Alle 163 E Prenzlauer Bergs

1853:

C.F.: Wassergasse 19
C.: Schönhäuser Alle 163 E Prenzlauer Berg

1859:

C.F.: Schönhäuser Alle 163 E Prenzlauer Berg
C.: Köthener Str. 44
C.: Adalbertstraße 19

1860:

C.F.: Schönhäuser Alle 163 E Prenzlauer Berg

1861:

C.F.: Schönhäuser Alle 163 E Prenzlauer Berg

Der Conrad Friedrich Müller hat seltsamerweise bis 1861 noch in Berlin gewohnt, obwohl er spätestens im Jahr 1858 nach Russland ausgewandert ist. Allerdings hatte ich das glaube ich auch schon bei einer anderen Person in Berlin, die auch noch im Adressbuch verzeichnet war, obwohl sie bereits verstorben war.
Normalerweise hätte man sich doch bei einem Umzug sofort beim Einwohnermeldeamt abmelden müssen.
Gab es zu dieser Zeit schon Zweitwohnsitze? Es könnte auch sein, dass er sich noch nicht sicher war, ob er dauerhaft in Russland leben möchte.
Vielleicht blieb er deswegen weiterhin in Berlin gemeldet.
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Geändert von Balduin1297 (23.10.2020 um 18:14 Uhr)
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  #104  
Alt 21.10.2020, 20:23
Juergen Juergen ist offline
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Laut Taufe des Sohnes 1848 in der Sophien-Kirche soll dessen Vaters Christian Friedrich Theodor MÜLLER, Partikulär
aber in der Rosenthalerstr. 66 gewohnt haben.

Hier wird der Vater auch nicht Conrad genannt.
Ach so Conrad ist der Vater des Christian Friedrich Theodor MÜLLER.

Ist auch eigentlich egal.

Gruß Juergen

Geändert von Juergen (21.10.2020 um 20:27 Uhr)
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  #105  
Alt 21.10.2020, 20:50
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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Ja, der Conrad ist der Großvater des getauften Kindes. Und der Conrad Friedrich wird übrigens genau seitdem Jahr (1861) nicht mehr im Adressbuch genannt, als die Familie Müller nach Wassiljewka umgezogen ist.
Nur seltsamerweise finde ich den Theodor Müller nicht im Adressbuch. Hast du ihn vielleicht gefunden?
Die Rosenthalerstraße 60 passt auf jeden Fall sehr gut, da die Adresse in direkter Nachbarschaft zu den Adressen sich befindet, wo er Conrad Friedrich gewohnt hat.
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Geändert von Balduin1297 (21.10.2020 um 21:08 Uhr)
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  #106  
Alt 24.10.2020, 21:03
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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Ich habe nun die Sterbeurkunde des James Oscar Müller, Victor Karl Müller und Hermann Alexander Müller gefunden. Dank der Sterbeurkunde des James Oscar Müller weiß ich nun, dass auch der Julius Müller nach 1897 in Charkow gestorben ist.
Er hat also Moskau wieder verlassen und ist nach Charkow zurückgekehrt.
Und auch die Ottilie ist in Bely Kolodez Gouvernement Charkow verstorben.
Das ist wohl auch der Grund, warum ich ihn nur in dem Adressbuch von 1897 aus Moskau gefunden habe.
Die Sterbeurkunden befinden sich im Anhang.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Tod-1932.jpg (234,7 KB, 5x aufgerufen)
Dateityp: jpg Tod-1935.jpg (244,8 KB, 4x aufgerufen)
Dateityp: jpg Tod-1943.jpg (236,9 KB, 5x aufgerufen)
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Geändert von Balduin1297 (28.10.2020 um 16:37 Uhr)
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  #107  
Alt 28.10.2020, 18:25
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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Ich habe nun den Sterbeeintrag der Ehefrau des Herrn James Oscar Anderson namens Lucy Mary Anderson, geborene Isherwood gefunden. Sie war wie auch ihr Ehemann eine Anglikanerin und ist im Jahr 1841 in St. Petersburg geboren und am 9.10.1861 auf dem Gut Wassiljewka gestorben.
Ich bin mir nun nach den neuesten Erkenntnissen sicher, dass James Oscar Müller ein Kuckuckskind des James Oscar Anderson und der Ottilie Charlotte Hartmann von Twardowsky ist, da die Ehefrau des James Oscar Anderson ein Jahr zuvor gestorben ist und er sich deshalb einsam fühlte.
Und da der Julius Müller ständig viel gereist ist und sehr viel auf den vielen Gütern der Adelsfamilie Popow gearbeitet hatte, war auch die Ottilie einsam und hat sich gelangweilt.
Und was auch sehr gut passt, dass der James Oscar der Erste ist, der nach einem Umzug geboren wurde. Sie hatten viele Freunde und Verwandte zurückgelassen und auch das war ein Grund dafür, warum sich die Ottilie einsam fühlte.
Deshalb hat sie in dieser Zeit wohl sehr viel Zeit mit dem James Oscar Anderson verbracht und hat sich in ihn verliebt.
Als Julius Müller wieder zu Hause war, hat die Ottilie den James Oscar als seinen Sohn untergeschoben. Deshalb war auch der James Oscar Anderson der Taufpate seines leiblichen Sohnes, der auch nach ihm benannt wurden ist. Und auch das ist sehr ungewöhnlich, da bislang kein Kind des Julius bisher alle beiden Vornamen von nur einem Taufpaten bekommen haben. Denn bisher haben sie immer einen Vornamen von einem Taufpaten und einem Verwandten oder von zwei verschiedenen Taufpaten. Und außerdem hatten alle anderen Kinder des Julius Müller deutsche Vornamen, nur der James Oscar nicht.
Und außerdem durften Personen, die nicht der lutherischen Konfession angehörten, nur Taufzeugen sein. Er hingegen wurde als Anglikaner als ganz normaler Taufpate bezeichnet und nicht als Taufzeuge extra gekennzeichnet. Der einzige Grund, warum er als Anglikaner der Taufpate war, war, dass er der leibliche Vater des James Oscar war.
Da es in der Nähe keine anglikanische Kirchen gab, blieb ihm also nichts anderes übrig, als seinen leiblichen Sohn James Oscar in einer lutherischen Kirche zu taufen. Aber immerhin war seine Mutter eine Lutheranerin. Sie hatte dem Julius erklärt, dass der James Oscar Anderson ein sehr guter Freund war und er deswegen der Taufpate sein muss.
Später hat der James Oscar Anderson wieder die Ottilie und Wassiljewka verlassen, weil der Ottilie klar geworden ist, dass diese Liebschaft zu riskant war und sie empfand es als wichtiger, ihre Ehe zu retten, damit ihre vielen Kinder später eine bessere Zukunft haben. Denn als geschiedene Frau in der damaligen Zeit hatte man es sehr schwer.
Ich hoffe sehr, dass auch der James Oscar Anderson in St. Petersburg geboren wurde und ich ihn in den dortigen anglikanischen Kirchenbüchern finde.

Außerdem habe bei dem DNA Test von FamilyTreeDna folgende Ergebnisse:

Great Britain : 30%

Central Europe: 20%

Scandinavia: 3 %

East Slavic: 23 %

West Slavic: 15 %

Baltic: 10%

Die 30% Großbritannien kommen vom James Oscar Anderson und die 10% Baltikum von der Ottilie Charlotte Hartmann. Die britische DNA kann nur vom James Oscar Anderson stammen.

Der Sterbeeintrag befindet sich im Anhang.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Tod-1861-2.jpg (249,8 KB, 7x aufgerufen)
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Geändert von Balduin1297 (28.10.2020 um 23:06 Uhr)
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  #108  
Alt 28.10.2020, 19:04
Juergen Juergen ist offline
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Hallo Balduin,

das ist ja spannend, dann sind die Müller Vorfahren aus Bergen Rügen ect.
dann gar nicht deine biologisch genetische Ahnenlinie und Du kannst jetzt
in England weiter forschen.

Bin gespannt, ob Du dort weiter kommst.

Viele Grüße
Juergen
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  #109  
Alt 28.10.2020, 22:45
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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Hallo,
ja, irgendwoher muss die britische DNA kommen, die auch noch einen sehr großen Anteil hat. Leider ist die britische Ahnenforschung in Russland nicht so einfach. Ähnliches wie die Heimatscheinverzeichnisse der preußischen Untertanen habe ich leider bei den britischen Untertanen (british subjects) nicht gefundden. Über findmypast habe ich folgendes herausgefunden:

Lucy Mary Isherwood, * 11.11.1840 in St. Petersburg, + 9.10.1861 auf dem Gut Wassiljewka

Eltern:

Thomas Isherwood und Margaret Hughes, Heirat am 8.5.1838 in St. Petersburg

Sie hatte auch noch viele Geschwister.

James Anderson, * 1834, Sohn von William Anderson, Heirat mit Lucy Mary Isherwood am 27.12.1860 in St. Petersburg und dann Heirat mit zweiter Ehefrau Eleonora Victoria Piontkowska, geboren im Jahr 1849, Tochter des Ludwig Pionktowsky, am 12.10.1869 in Odessa.

Der James Anderson hatte mit seiner zweiten Ehefrau mehrere Kinder.
Das passt auch sehr gut, da auch die Familie Müller in Odessa gewohnt hatte, da der Julius Müller im Jahr 1872 im Konsulat in Odessa eine Matrikelakte beantragt hatte.
Und es passt auch sehr gut, dass die zweite Ehefrau des James Anderson keine Britin mehr war. In der anfänglichen Zeit in St. Petersburg war er nur mit anderen Briten in Kontakt. Aber als er nach Wassiljewka umgezogen ist, gab es keine Briten mehr und er hat dann die Deutschbaltin mit teils polnischen Wurzeln Ottilie Charlotte Hartmann von Twardowsky kennengelernt.
Und auch die zweite Ehefrau des James Anderson hatte teils polnische Wurzeln und auch ihr Vater hieß ebenfalls Ludwig. Da gibt es also auf jeden Fall eine Verbindung.
Und es passt auch sehr gut, dass der Rufname des James Oscar nicht James ist, wie bei seinem leiblichen Vater. Das wäre wohl für den Julius eine zu große Demütigung gewesen, seinen Sohn James zu nennen. Da dies ja auch ein englischer Vorname ist, während man den Namen Oscar auch eindeutschen kann.
Leider werden keine Berufe genannt. Und leider habe ich auch nicht den Taufeintrag des James Anderson in St. Petersburg gefunden, obwohl er im Jahr 1860 in St. Petersburg seine erste Ehefrau geheiratet hat.
Und außerdem fehlen leider bei den Heiraten die Geburtsorte.
Auch die Taufpaten werden leider nicht angegeben.
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Ottilie Charlotte Heroldt, * 17.5.1825 Riga, + 19.3.1870 Bely Kolodez Gouvernement Charkow
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Geändert von Balduin1297 (29.10.2020 um 14:40 Uhr)
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  #110  
Alt 31.10.2020, 14:54
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass der James Anderson ein typischer englischer Gentleman war, der um die Ottilie geboren hat. Denn auf einem solchen Gut kannte jeder die Ehefrau des Oberverwalters.
Offiziell war er nur der Erzieher und Privatlehrer der Kinder der Ottilie und er hat sie sehr wahrscheinlich typisch englisch erzogen. Ich habe auch gelesen, dass viele Briten in St. Petersburg im Viktorianischen Zeitalter ihre Kinder auf Internate nach England geschickt haben.
Es hat mich auch gewundert, warum er zwar als Herr bezeichnet wurde, nur ohne Beruf. Das lag wohl daran, dass er wirklich keinen richtigen Beruf hatte, da er vom Wohlstand seiner Familie sehr gut leben konnte. Er hat wohl einfach nur eine Muse und Gentleman. Und das war wohl auch genau das, was die Ottilie so anziehend fand, da ihr Ehemann ein typischer Preuße war, der sehr viel arbeitete und kaum Zeit für seine Ehefrau und seine Kinder hatte. Außerdem hatte er wohl auch keine künstlerischen Interessen, sondern war eher schlicht.
Die Ottilie war als Deutschbaltin künstlich sehr begabt, da ihr Zwillingsbruder Instrumentenmachermeister war und der Taufpate des Kindes ihres Zwillingsbruders war Tanzlehrer.
Das war wohl auch der Grund, warum der Herr Popow ihn von St. Petersburg auf das Gut Wassiljewka angeworben hatte. Denn der Herr Popow begeisterte die Kunst sehr. Er lebte auch selbst lange in St. Petersburg und hatte ihn dort kennengelernt. Er hatte ihm wohl angeboten, sein wichtigstes Gut Wassiljewka einzurichten und Bilder zu sammeln.

Ich habe nun seinen Geburtseintrag aus der Anglikanischen Kirche in St. Petersburg gefunden:

Charles James Anderson, geboren am 19.3.1835 in St. Petersburg, getauft am 30.5.1835 in St. Petersburg

Der Zweitname Oscar ist nicht sein zweiter Vorname, da der Name Oscar zu dieser Zeit in England noch nicht populär war. Der Name Oscar wurde zwar von einem schottischen Schriftsteller namens James MacPherson bekannt gemacht und kommt im altenglischen und irischen vor. Allerdings kommt der Name wahrscheinlich ursprünglich aus Skandinavien und scheint erst nach der Einwanderung der Nordmänner nach Großbritannien dort verbreitet gewesen sein. Sie haben sehr wahrscheinlich das Werk von James MacPherson gelesen und ihn hatte der britische Vorname Oscar sehr gut gefallen. Der Pfarrer von Prischib hatte also einen kleinen Fehler gemacht.

Auch die Ottilie hatte einen sehr starken Bezug zu St. Petersburg, da ihre Eltern in der St. Petersburger Vorstadt in Riga gewohnt haben und die Ehefrau des Friedrich Rudolph, die Emilie Anette Harff, ist auch in St. Petersburg geboren.

Das passt sehr gut, da auch der James Oscar im März geboren worden ist und am 18.3.1863 getauft wurde.
Das heißt, dass der James Anderson einen Tag nach der Taufe seines leiblichen Sohnes Geburtstag hatte.
Und dann ist die Ottilie genau am 19.3.1870 gestorben, als der James Anderson Geburtstag hatte und genau in dem Jahr, als der erste Sohn aus der zweiten Ehe des James Anderson geboren wurde.

Die zweite Ehefrau war zu diesem Zeitpunkt schwanger und sie hatten zuvor im Oktober im Jahr 1869 geheiratet.

Das hatte wohl der Ottilie das Herz gebrochen, weshalb sie an Herzversagen gestorben ist. Oder sie hatte ihren Selbstmord genau geplant, dass sie am Geburtstag des James Anderson sich das Leben nimmt, da sie zu dieser Zeit, als der James Oscar getauft wurde, so glücklich waren. Denn die Ottilie wurde nur 44 Jahre alt.

Da muss es also eine Verbindung geben.

Sie hatten wohl auch noch nach dem Umzug des James Anderson nach Odessa Kontakt, da der Julius Müller unter anderem beim Konsulat in Odessa war.

Und der James Anderson ist um das Jahr 1834 geboren, weshalb also der Frühling 1835 sehr gut passt.
Und da James sein Rufname war, wurde sein Zweitname, Charles, nie genannt.

Seine Eltern:

John Anderson, * 26.06.1796 in St. Petersburg, Beruf: Zollexpedition in St. Petersburg und Frances Simpson, * 18.2.1799 in St. Petersburg, Heirat am 05.1.1823 in St. Petersburg

Der James Anderson wurde in der Anglikanischen Kirche in St. Petersburg getauft. Der William ist nicht sein Vater, sondern sein älterer Bruder, der im Jahr 1834 in St. Petersburg geboren wurde. Es war also eine Verwechslung. Sein Großvater Matthew Anderson ist in den 1770er oder 1780er Jahren von Northumberland nach St. Petersburg ausgewandert und war dort Ältester der Gilde, Kaufmann und Mitglied des englischen Clubs. Er hat außerdem die Firma M. Anderson & Co. gegründet und ist am 19.6.1834 in St. Petersburg gestorben. Die Familie Anderson hatte schon zuvor lange Zeit enge Handelsbeziehungen zu Russland.
Die Familie Anderson ist auch in Burke’s Landed Gentry aus dem Jahr 1855-1858 enthalten, da der Urgroßvater des James Anderson der Esquire of North Shields war und zum niederen englischen Landadel gehörte. Und die Kinder des Esquire wurden automatisch als Gentleman bezeichnet. Die Gentleman gehörten zur niedrigsten Stufe des englischen Adels und der Gentleman kann als Herr übersetzt werden:

Wikipedia:
Herren (Gentleman) : Besitzer eines sozialen Status, der durch das Additionsstatut von 1413 als separater Titel anerkannt wurde. Im Allgemeinen wurden Männer mit hoher Geburt oder hohem Rang, gutem sozialen Ansehen und Wohlstand, die nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten mussten, als Herren angesehen.

Das ist wohl auch der Grund, warum auch der James Anderson im Kirchenbuch von Prischib als Herr bezeichnet wurde.

Und sein Großvater mütterlicherseits Robert Simpson war Arzt und Chirurg auf russischen Linienschiffen und hat später im Admiral bzw. See Hospital gearbeitet und ist am 28.1.1822 in Kronstadt gestorben. Sein Großvater Andrew war Kapitän und Kommandant auf russischen Schiffen.
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