#1  
Alt 10.10.2009, 14:23
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Friedrich Friedrich ist offline männlich
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Standard Ahnenforschung in der DDR

Moin zusammen,

da das Thema DDR ja zur Zeit wieder sehr aktuell ist, hier mal eine Frage zum Thema Ahnenforschung dort:

War Ahnenforschung in der DDR eher positiv oder negativ besetzt? Letztes würde mich nämlich hinsichtlich der politisch-geschichtlichen Situation (DDR contra Drittes Reich, Stichwort Ahnenpaß) nicht wundern.

Gab es Unterschiede, je nachdem, ob man im Westen oder im Osten forschte?

Schließlich waren die Russen ja Brüder, also mit einem verwandt...

Friedrich
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"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

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  #2  
Alt 10.10.2009, 14:39
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Pendolino Pendolino ist offline männlich
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Hallo zusamen!
Hallo Friedrich!

Du stellst mal wieder (wie könnte es auch anders sein?) eine sehr interessante Frage...

Dazu kann ich Dir nur folgendes erzählen:

Mein Großvater wollte damals, soweit ich weiß, immer die Familie in Sachsen erforschen. Da er aber Ende der 1950er Jahre in den Westen geflohen ist, und sein Schwager in der DDR bei der Volkspolizei war, hat er es bleiben lassen, da dies wohl auch für seinen Schwager hätte problematisch werden können; für diesen war ja jeglicher Kontakt zu "Westlern" verboten, egal ob telefonisch oder per Brief - von Besuchen mal ganz abgesehen.

Ich glaube nicht, daß die Obrigkeit dann begeistert gewesen wäre, wenn dann ein "Wessi" beginnt, die Familiengeschichte zu erforschen. Genaueres kann ich dazu leider nicht sagen, ich kenn das ja alles nur von Erzählungen und meinen Opa kann ich auch nicht mehr fragen

Bin gepannt ob noch jemand ähnliches zu berichten hat...

Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende!
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Viele Grüße von Pendolino!

Hier findet ihr Übersichten meiner Vorfahren aus Sachsen und Thüringen
sowie aus der (Elch-) Niederung in Ostpreußen


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  #3  
Alt 10.10.2009, 14:46
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Molle09 Molle09 ist offline
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Hallo Friedrich,

ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich kenne nicht eine Person, die zu DDR-Zeiten Ahnenforschung betrieb. Meine Oma und Mutter gehören zu den Vertriebenen aus Nordböhmen. Heute darf man das so wieder sagen. Damals wurde nicht darüber gesprochen, weil es offiziell keine Vertriebenen gab, denn die Tschechen waren auch unsere "Brüder" und es wurde totgeschwiegen. Das es meine Oma nicht in Ruhe ließ, weiß ich daher, weil sie noch zu Lebzeiten ihren Geburtsort besuchte, aber willkommen waren sie nicht.
Mein Schwiegervater war noch krasser drauf. Er nahm seine Vergangenheit 2005 mit in´s Grab, er stammte aus einem kleinen Dorf in Schlesien. Mein Mann weiß praktisch so gut wie nix von ihm, seinen Eltern und warum die Großeltern nach dem Krieg in Polen blieben, während er in der DDR lebte. Alles merkwürdig auch nach dem Fall der Mauer so zu "leugnen". Das macht es uns auch besonders schwer etwas über diese Seite des Stammbaumes heraus zu finden.
Ich kann mir aber trotzdem gut vorstellen, daß es Interesse an Ahnenforschung gab, aber nur weil durch Leute von früheren Zeiten irgendwelche gesammelten Daten weitervererbt wurden- z.B. Ahnenpass. Denn über Ämter ect. kam man zu Ostzeiten an solche Daten nicht! (Schlafende Hunde soll man nicht wecken....)

Wie gesagt, daß ist meine Meinung und Erfahrung und ich bin sehr froh, daß diese Zeit vorbei ist!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Was würde ich sonst ohne Ahnenforschung machen?
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Liebe Grüße
Mlle
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  #4  
Alt 10.10.2009, 14:57
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Zitat:
Zitat von Molle09 Beitrag anzeigen
Meine Oma und Mutter gehören zu den Vertriebenen aus Nordböhmen. Heute darf man das so wieder sagen. Damals wurde nicht darüber gesprochen, weil es offiziell keine Vertriebenen gab, denn die Tschechen waren auch unsere "Brüder" und es wurde totgeschwiegen.
Hallo Molle!

Meine Oma stammt aus Ostpreußen - aus dem heutigen russischen Teil...

Ja genau - genau dieses "es gab keine Vertriebenen" war mit ein Grund für meine Großeltern aus der DDR zu fliehen. Auch wenn dass für beide bedeutete, fast die ganze Familie zurückzulassen.

Ich bin wirklich froh, daß ich diese Zeit nicht miterleben mußte - und das daß alles vorbei ist.
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  #5  
Alt 10.10.2009, 16:23
Andreas Dick Andreas Dick ist offline
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Hallo zusammen,

ich habe hier mal einen Ausschnitt aus der Wochenpost Nr. 06/1989 (nicht komplett). Darin kann man sehen, dass Genealogie in der DDR eigentlich nicht verpönt war. Ich kann mich aber erinnern, dass es damals weniger waren, die in die Pfarrämter stürmten, wie mir von den Pfarrern bestätigt wurde. Gut, mich haben sie eh´ nicht so gern an die Bücher gelassen, da ich damals erst in den letzten Teenagerjahren war und sie mir deshalb nicht so sehr über den Weg getraut hatten.

Beste Grüße
Andreas
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Wochenpost1989-06.jpg (127,0 KB, 139x aufgerufen)

Geändert von Andreas Dick (10.10.2009 um 16:24 Uhr) Grund: Edit: Ergänzung
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  #6  
Alt 10.10.2009, 17:11
Benutzerbild von liseboettcher
liseboettcher liseboettcher ist offline weiblich
 
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Standard Ahnenforschung in der DDR

Ich weiß nur, dass man evtl. schnell in den Verdacht geriet, das Arierwesen der Nazizeit verteidigen zu wollen. Es gab aber in Halle/S. eine Arbeitsgruppe beim Kulturbund und besonders auch in Leipzig wurde "Ahnen geforscht", zumal dort die Möglichkeit bestand, in der Genealogischen Forschungsstelle Einsicht zu nehmen in vorhandene Unterlagen. Die Fo-Stelle gehörte damals zur Deutschen Bücherei. Ich habe einmal bei der ev. Kirche Merseburg etwas angefordert und auch bekommen. Aber Tatsache war wohl, dass die Menschen andere Interessen hatten. Ich kannte niemanden, der sich für seine Vorfahren interessierte. Gottseidank hatte meine Familie keine Unterlagen weggeworfen! MfG Lise
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  #7  
Alt 10.10.2009, 17:45
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Luise Luise ist offline weiblich
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Ich habe zu DDR-Zeiten mit meiner Ahnenforschung begonnen und da die eine Hälfte meiner Ahnen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt (damals die Bezirke Erfurt und Halle) stammten, hatte ich keine Schwierigkeiten. Es gab sogar den Vorteil, dass die Pfarrämter (zumindest an die ich schrieb) für die erledigten Sucharbeiten in den KB keine Gebüren erhoben. Leider habe ich diese Gelegenheit nicht genügend ausnutzt *seufz*.

Ja, in der DDR hießen die Flüchtlinge/Vertriebene offiziell "Umsiedler". Bei einer Verwandten wurde sogar zur Hochzeit 1963 ins Familienstammbuch als Geburtsort "Nowa Sol" und "Polen" eingetragen. Sie hat sich darüber beschwert und es wurde in "Neusalz an der Oder" umgeändert.

Ansonst kannte ich doch einige Ahnenforscher in der DDR.
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Liebe Grüße von Luise
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  #8  
Alt 11.10.2009, 11:35
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Zitat:
Zitat von Altmärker Beitrag anzeigen
Das Thema DDR geht mir ehrlich gesagt seit 20 Jahren auf den ....!
Diese Äußerung kann ich jetzt aber nicht so stehen lassen!
Ich habe 40 Jahre in der DDR mehr oder weniger "gelebt".

Ahnenforschung, wie ich sie in den letzten 20 Jahren betrieben habe, gab es nicht. Mein Interesse daran war schon immer sehr groß. Ich konnte damals nur die Seite meines Mannes, die aus dem Eichsfeld stammt, erforschen. Meine eigenen Vorfahren blieben außen vor.

Mein Vater und seine gesamte noch übrige Familie waren "Vertriebene". Ahnenforschung in Westpreußen war unmöglich. Man kam ja noch nicht einmal an Kopien von Geburtsurkunden, die auf der Flucht verloren gegangen sind. Mein verstorbener Vater wäre jetzt glücklich darüber, was ich über seine Familie zusammengetragen haben - einschließlich seiner eigenen Geburtsurkunde.

Ich hätte auch nie bestätigt bekommen, was mir mein Großvater als 9-jährige immer erzählte: nämlich, daß seine Vorfahren "aus dem Französischen" kommen.
Zwischenzeitlich weiß ich es genau. Schade, daß mein Großvater nicht mehr lebt.

Im Übrigen finde ich, daß auch das Thema "DDR" nicht untergehen sollte, egal in welcher Hinsicht, ob Ahnenforschung oder nicht.

Und damit es nicht in Vergessenheit gerät, habe ich für meine Enkel sämtliches mir zur Verfügung stehendes Material, angefangen von Erinnerungen bis zu Dokumenten, aufgeschrieben bzw. gesammelt und zu meinen Ahnen-"Unterlagen" gelegt.

Nicht, um der DDR zu huldigen - ganz im Gegenteil ! Aber das gehört jetzt nicht hierher.
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  #9  
Alt 11.10.2009, 13:20
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Was das Thema DDR-Geschichte betrifft kann ich sagen, dass meine Tochter (die die DDR-Zeit nicht erlebt hat) wesentlich mehr Interesse daran hat, als ich, die die Zeit miterlebt hat.
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Liebe Grüße von Luise
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  #10  
Alt 11.10.2009, 13:52
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Friedrich Friedrich ist offline männlich
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Moin zusammen,

ich stelle fest, daß Ahnenforschung in der DDR durchaus ein Thema war (was mich freut), aber offensichtlich in dem Umfang, wie wir ihn kennen, nicht immer betrieben werden konnte. Danke schonmal für Eure Beiträge!

Ich nehme natürlich gern noch weitere Meinungen an!

Friedrich
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