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  #31  
Alt 18.07.2020, 16:05
Corrado Corrado ist offline männlich
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Standard Einwand

Noch einmal hallo!

Gegen einen vielleicht naheliegenden Einwand, der gemacht wurde.
Johannes Dürr habe den Geburts- und Lehrbrief bereits "verbraucht" für den Umzug an den Ort, an dem er jetzt (1682) mit Frau und Familie wohnt. Mithin seien die beiden Briefe keineswegs ein Hinweis auf seinen im März/Mai 1682 bevorstehenden Umzug (z.B. nach Merchweiler).

Den wichtigen Hinweis zur Entkräftung liefert die Angabe in der Vermögensaufteilung vom März 1682, sein Bruder (Friedrich) habe diese Briefe bar bezahlt und sei noch nicht dafür entschädigt worden. Johannes Dürr taucht im 1666 einsetzenden Taufbuch von Kocherstetten nie auf. Er muß also um die Zeit seiner Eheschließung (1662-64) Kocherstetten verlassen haben. Sein Bruder Friedrich wurde err. 1649 geboren. Dieses Geburtsjahr basiert auf der Altersangabe im Sterbebuch. Altersangaben sind meist übertrieben, er dürfte also eher 1650 oder 1651 geboren worden sein. Wenn also Johannes Dürr bis 1664 einen Geburts- und Lehrbrief an seinem neuen Wohnort brauchte und erhielt, müßte sein 12-13jähriger kleiner Bruder ihm diese 8 Gulden vorgestreckt haben. Nicht sein Vater und nicht sonst jemand. Daß damals ein Knabe dieses Alters 8 Gulden besaß und sie seinem älteren Bruder vorgestreckt und sie 20 Jahre lang nicht zurück gefordert haben könnte, halte ich für schwer vorstellbar.
Sehr viel plausibler ist eine Ausstellung der Briefe in jüngster Vergangenheit, um mit der Familie nach April/Mai 1682 wegzuziehen.

Offen bleibt weiterhin die Frage, ob Davids Sohn Johannes mit Ottilie Hack/Schütz verheiratet war.

Alles Gute
Corrado
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  #32  
Alt 10.08.2020, 23:27
Corrado Corrado ist offline männlich
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Na?
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  #33  
Alt 08.09.2020, 19:42
Corrado Corrado ist offline männlich
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Hallo in die Runde,

Es gibt NEUES von Dürr.
David Dürr, der noch nicht ganz sicher feststeht als Vater des Merchweilers Johannes Dürr, heiratete am 16.8.1635 in Ruppertshofen Barbara Reinhardt, T.v. Martin R. und Anna Stapf. Sie soll im Oktober 1614 in Ruppertshofen geboren worden sein und starb nach März 1682. David ist angegeben als Sohn von Hans Dürr aus Gauangelloch südlich von Heidelberg. Ruppertshofen liegt ca. 14 km südöstlich von Kocherstten und ca. 16 km nordöstlich von Schwäbisch-Hall.

Im Staatsarchiv Ludwigsburg gibt es zwei zusammenhängende Briefe von 1648. Der zeitlich erste ist datiert 30.9.1648 und ist das Kündigungsschreiben von Georg Schäfer für die Lehrerstelle in Kocherstetten. Der zweite Brief ist undatiert, von fremder Hand ist die Jahreszahl 1648 nachgetragen, soll also von Oktober/November dieses Jahres stammen. Er ist das Bewerbungsschreiben von David Dürr um die gerade freigewordene Lehrerstelle. In diesem Brief schreibt er, er sei seit 25 Jahren im Dienst der Freiherren v. Stetten, d.h. also seit 1623.

Geht man vom Heiratsjahr 1635 aus, dann dürfte David Dürr ca. 1605-10 geboren worden sein. 1623 war er damit ca. 13-18 Jahre alt. Gauangelloch südlich Heidelberg liegt ca. 70 km Luftlinie entfernt von Kocherstetten. Wenn also David Dürr mit ca. 13-18 Jahren in den Dienst der Herrschaft Stetten trat, dann wurde er von seinem Vater dorthin vermittelt. Ich habe keinerlei Informationen, wie der eine (Hans Dürr) vom anderen (Frh. v. Stetten) wußte. Was könnte einen Mann aus Gauangelloch veranlaßt haben, seinen Sohn in eine relativ weit entfernte Herrschaft zu verdingen?
Und gerade in diese? Über Hans Dürr habe ich keinerlei Informationen. In Gauangelloch scheint es vorher keine Familie Dürr gegeben zu haben, Hans Dürr kann dort also vor 1610 eingeheiratet haben.

David Dürr besaß eine kleine Sammlung von religiöser protestantischer Erbauungsliteratur. Forumsmitglieder halfen mir, die (für mich) unklaren Buchtitel zu identifizieren. Zweimal taucht "Habermann" auf. Es muß sich dabei um das Gebetbuch des Johannes Habermann, gen. Avenarius, handeln, das erstmals 1567 herauskam und danach ein regelrechter Renner wurde und "zahllose Auflagen" (Wikipedia) erreichte. Diese Sammlung weist David Dürr als einen überzeugten Protestanten aus.
In der Vermögensaufteilung von März 1682 werden die vererbten Bücher in drei Blocks aufgeführt: Einer in der Spalte der Witwe Barbara, einer unter den beiden ältesten Töchtern und einer unter den Spalten von Sohn Friedrich und der Tochter Anna Margarethe. Nur in der Spalte von Johannes gibt es kein Buch. Wieso nicht? Und: Der Erbanteil von Johannes scheint mir der geringste von allen zu sein. Johannes war aus Kocherstetten weggezogen. Wenn er tatsächlich die katholische Ottilie Hack geheiratet hatte und beabsichtigte, in die katholische Herrschaft Illingen umzuziehen, dann muß er zum Katholizismus übergetreten sein. Für David Dürr ein nicht verwindbarer Schmerz: Sein ältester Sohn, vermutlich benannt nach Davids Vater Hans, verläßt die protestantische Kirche und zieht weg aus dem Dorf, der Herrschaft seines Vaters! Er war ein Verräter!
Also auch dieses Detail kann man deuten als Argument für die Abstammung des Merchweilers Johannes Dürr aus Kocherstetten. In Merchweiler taucht kein Sohn des katholischen Kirchenschöffen Johannes Dürr auf, der David hieß. Der Bruch mit seinem Vater und wohl auch der gesamten Familie dürfte vollständig und dauerhaft gewesen sein.

Alle Informationen, die bei mir eintrudeln, stützten die Eingangsthese, ohne aber bisher den Namen von Johannes' Frau preiszugeben.

Alles Gute von
Corrado

Geändert von Corrado (08.09.2020 um 21:25 Uhr)
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dürr , frankfurt , haack , hartmann , saarland , sachsenhausen

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